Analsex: Vom Tabu zum Megatrend?

Sophie Andresky

Analsex nervt. Also nicht der Sex an sich, den kann man mögen oder nicht, genau wie jede andere Spielart. Was mich nervt, ist dieser Hype, dass Analsex der Sex für Fortgeschrittene sein soll. In praktisch jedem 08/15-Porno lernt man: Lecken ist Vorspiel, also nichts Ernstes, richtiger Sex geht erst mit Penetration los. Und wirklich heiß wird es an der Hintertür. Ich habe Freundinnen, die sich nicht trauen, zu sagen, dass sie nicht darauf stehen, weil sie dann ja verklemmt oder unerfahren aussehen und keine tollen Liebhaberinnen sein können. Das regt mich auf. Es gibt keinen besseren und schlechteren Sex, keine Amateur- und Profiliga. Es gibt nur Sex, der mir persönlich Spaß macht. Keine Wertung, keine Leistung. Also oute ich mich jetzt mal für all die Frauen dort draußen, die immer noch denken, dass es im Bett Dinge gibt, die „man“ (wer soll das überhaupt sein?) einfach tun muss, weil es angeblich alle tun.

Achtung, Outing: Ich als Erotik-Autorin stehe nicht auf Analsex. Fummeln und Fingern manchmal gern, aber Penetration mit Penis oder Vibrator mach ich nicht und will ich auch nicht probieren.

Männern, die versucht haben, mich dazu zu überreden, habe ich folgenden Deal angeboten: Ich probier’s, sofern sie vorher mit gutem Beispiel vorangehen und sich von mir popowärts ficken lassen. Entsprechendes Spielzeug in moderater Größe habe ich im Nachttisch, ich bestehe gar nicht auf einem unterarmgroßen Dildo, ein statistischer Normal-Schwanz reicht. Ich werde viel Gleitgel nehmen und sehr sensibel sein. Und für die Prostata soll Analsex ganz wunderbar sein, Millionen Schwule können nicht irren. Geht der Mann darauf ein, ziehe ich mit. Hat aber noch nie einer. Die kneifen ausnahmslos alle die Rosette zusammen wie die Jungfrauen. Tscha, Jungs, genau so seh ich das auch.

Ich habe aber weder moralische noch sonstige Gründe gegen Analsex außer dem eigenen Empfinden – und das ist in meinem Bett Gesetz. Ich mag auch keine Kondome mit Geschmack und ich sitze beim Sex nicht gern oben. Sind halt so Vorlieben.

Wer sich für Analsex interessiert, soll es unbedingt probieren, ich als bekennende Hedonistin bin immer schwer dafür, keine Chance zur Luststeigerung auszulassen. Ein paar Grundregeln sollte man dabei beherzigen:

Informieren. Es gibt zig Bücher und Filme zu dem Thema, wie man anale Verletzungen möglichst vermeidet. „Dumm fickt gut“, ist ein Mythos, mehr zu wissen hat noch niemandem geschadet. Bei nichts.

Langsam anfangen. Erst mal mit Fingern oder sehr schmalen Dildos. Wenn der Penis dann zum Einsatz kommt, schön langsam, das Tempo bestimmt die Person, um deren Hintern es geht.

Erst ordentlich anheizen. Kurz vor dem Kommen ist man am entspanntesten.

Hygiene beachten, ganz wichtig: Niemals zwischen After und Muschi wechseln, das kann Infektionen der übelsten Sorte geben.

Und niemals unter Druck setzen lassen. Beim Sex gilt immer: Wer nicht will, hat recht! Auch wenn es abgesprochen war, dass es heute passieren soll. Wollt ihr nicht, dann wollt ihr nicht. Das gilt bei Analsex genauso wie bei Auberginen, die mir ein Freund immer mal wieder ins Essen schummelt, weil er glaubt, dass etwas, das er toll findet, auch für mich toll sein muss, wenn ich es nur versuche. Auberginen! Igitt!

Aber fieses Gemüse ist ein anderes Thema.

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