Beziehungsfehler, die glückliche Paare nicht begehen

Beziehungsfehler, die glückliche Paare nicht machen

Trennungen und Ehescheidungen sind allgegenwärtig, und auch Krisen, Frust, Unzufriedenheit sowie ewige Streitigkeiten in bestehenden Partnerschaften erlebt jede:r irgendwo – wenn nicht bei sich selbst, so doch im Freundeskreis, bei Geschwistern oder den eigenen Eltern. Doch es gibt auch diese Paare, bei denen alles seit Jahren einfach rund zu laufen scheint. Was ist ihr Geheimnis? Warum führen sie solch glückliche Beziehungen? Natürlich hat jedes Paar sein individuelles Erfolgsrezept für eine gelingende Partnerschaft, dennoch gibt es einiges, was den meisten Beziehungen nicht gut tut. Paare, die die folgenden typischen Fehler nicht begehen, leben meist in glücklicheren, dauerhafteren und liebevolleren Partnerschaften.

Dem:der Partner:in keine Freiheiten lassen

Wer besonders eifersüchtig ist und/oder immer genau wissen will, was der:die Partner:in gerade tut, tut der Beziehung keinen Gefallen. An der berühmten Aussage des Französischen Schriftstellers François VI. de La Rochefoucauld ist schon etwas Wahres dran. Er schrieb einst: „In der Eifersucht steckt mehr Liebe zu sich selbst als zum anderen“.

Wer (extrem) eifersüchtig ist und den:die Partner:in ständig kontrollieren möchte, zeigt nicht nur wenig Vertrauen, sondern auch wenig Interesse an den Wünschen des:der Partners:Partnerin und neigt dazu, ihn:sie schnell sehr einzuengen und damit die Liebe geradezu zu erdrücken. Dasselbe passiert, wenn Menschen ihren Partner:innen keine Zeit für sich selbst lassen und alles gemeinsam machen möchten. Das geht nur dann gut, wenn beide dasselbe Bedürfnis haben, alles gemeinsam zu machen, aber in den meisten Fällen wird es einem:einer von beiden früher oder später zu viel.

In der ersten Verliebtheitsphase ist es noch normal, dass Paare die ganze Zeit aneinanderhängen, und es ist auch irgendwie schön und angenehm. Aber sobald sich die Beziehung ein wenig eingespielt hat, lässt sich ein dauerhaft glückliches Paar gegenseitig Freiraum und sorgt so für eine gesunde Partnerschaft mit genügend Luft zum Atmen.

Eifersucht ist übrigens natürlich nicht immer verwerflich, sondern in manchen Fällen vollkommen verständlich und eine ganz natürliche Reaktion, zum Beispiel, wenn der:die Partner:in besonders viel Zeit mit einem:einer Expartner:in verbringt oder sich kaum Zeit für die Beziehung nimmt und immer etwas anderes wichtiger findet. Dann gehört das negative Gefühl der Eifersucht aber in der Regel zu einer Beziehungskrise, die noch mehr Probleme umfasst.

Sich selbst vergessen

Wie bereits erwähnt: Es ist meist ganz normal, dass Paare nur noch Zeit miteinander verbringen, wenn sie frisch verliebt sind und auf Wolke 7 schweben. Freunde, eigene Interessen und Hobbies geraten dann zunächst in den Hintergrund und das ist auch erst einmal okay, denn Verliebtheit ist ein intensiver Ausnahmezustand, der sich gut anfühlt und ausgekostet werden sollte – im Idealfall, wenn die Beziehung für immer hält, kommt diese von Schmetterlingen im Bauch geprägte Zeit nie wieder.

Aber sie geht vorbei, die Schmetterlinge beruhigen sich, die Beziehung geht in eine etwas gemäßigtere Phase über, und der Fehler, der jetzt nicht passieren sollte ist, die Dinge und Menschen, die zuvor das eigene Leben ausgemacht haben, dauerhaft zu vernachlässigen.

Wer aufgrund seiner Beziehung seine Freundschaften vernachlässigt, die Hobbies, die zuvor so viel Spaß gemacht haben, aufgibt und kaum noch etwas alleine oder mit anderen Menschen als dem:der Partner:in unternimmt, wird früher oder später merken, dass die eigene Identität irgendwie verloren gegangen ist und man ganz und gar vom Leben des:der Partners:Partnerin abhängt.

Das ist kein gutes Gefühl, und manch eine:r erwischt sich womöglich sogar dabei, dass er:sie dem:der Partner:in insgeheim die Schuld dafür gibt, dass alles weg ist, was früher wichtig war. Besonders ungesund wird es für die Beziehung, wenn nur eine:r von beiden sich aufgegeben hat, der:die andere aber seine:ihre Freundschaften und Interessen weiterhin pflegt. Daraus kann sich leicht Eifersucht und klammerndes Verhalten wie oben beschrieben entwickeln, der:die selbstlose Partner:in wird zum einengenden Klotz am Bein und steht dann im Falle der Trennung auch noch ganz alleine da, ohne ablenkende und erfüllende Hobbies und tröstende Freund:innen.

Wenn du zu den Menschen gehörst, die Probleme damit haben, sinnvoll Zeit alleine zu verbringen, könnte dich das Buch „21 Gründe, das Alleinsein zu lieben“ von Franziska Muri inspirieren und dir neue Sichtweisen eröffnen.

Kaum Zeit gemeinsam verbringen

Aber auch das andere Extrem ist ungesund für die Beziehung: Ein Paar, das zwar eine Beziehung miteinander hat, aber durch nichts als den Alltag miteinander verbunden ist, wird es schwer haben, dauerhaft glücklich zu sein.

Schöne gemeinsame Erlebnisse ermöglichen gemeinsame Glücksgefühle und stärken die Bindung zueinander. Beide Partner:innen können so abschalten, den Stress des alltäglichen Lebens hinter sich lassen und sich von ihren besten Seiten zeigen und beide können sich immer wieder ein wenig neu ineinander verlieben, weil man in entspannter Atmosphäre viel besser vor Augen hat, was man an der:dem Partner:in so toll findet.

Ein „schönes Erlebnis“ muss aber natürlich kein Karibikurlaub sein. Ein Wochenend- oder auch nur ein Tagesausflug kann auch sehr erholsam und schön sein, und wenn die Lebensphase der Paarbeziehung gerade wenig Raum lässt (zum Beispiel, wenn das Paar kleine Kinder oder gar Babys hat), ist auch ein gemeinsamer Restaurantbesuch und/oder Spaziergang ein schönes Erlebnis, das Kraft gibt und das spezielle „Liebespaargefühl“ fördert, das jede Beziehung hin und wieder braucht, wenn sie liebevoll bleiben soll.

Schroffen Umgangston pflegen

Manchmal ist es geradezu paradox: Im öffentlichen Umgang mit Menschen bemühen wir uns um Höflichkeit und möchten niemandem auf den Schlips treten, Kolleg:innen, Kund:innen, Fremden oder Bekannten gegenüber sind wir freundlich, selbst wenn es uns nicht gut geht. Aber zuhause kriegt ausgerechnet die Person, die wir am meisten lieben, alles ab. Wenn die Beziehung an einem Punkt angekommen ist, an dem sich – von einem:einer Partner:in oder auch von beiden aus – ein schroffer Umgangston etabliert hat, der aus Nörgeleien, ständiger Kritik wegen Kleinigkeiten und herablassenden Vergleichen besteht, ist es schwer, sich geliebt und wohl miteinander zu fühlen.

Die Gebote der Höflichkeit, zum Beispiel, „bitte“ und „danke“ zu sagen, gehören auch in eine Beziehung, denn sie zeugen von Respekt und Achtung und verhindern es, dass nette und hilfsbereite Handlungen des:der Partners:Partnerin zu einer selbstverständlichen Verpflichtung degradiert werden.

Und selbst wenn der:die Partner:in ein Verhalten an den Tag legt, das tatsächlich unangenehm oder ungerecht ist und angesprochen werden muss, sollte das in einer liebevollen Partnerschaft freundlich, auf Augenhöhe und ohne Erniedrigung möglich sein. Mehr zum Thema Kommunikation in der Partnerschaft kannst du in unserem Artikel „Kommunikation in der Beziehung: Was solltest du nie zu deinem:deiner Partner:in sagen?“ oder in dem Buch „Schöner streiten: Der kleine Paarberater“ von Berit Brockmann nachlesen.

Dinge nicht hinter sich lassen

Jeder Mensch macht Fehler oder tut Dinge, die selbst den:die Partner:in und damit den:die engste:n Vertraute:n irritieren oder verletzten. Und in jeder Beziehung, sei sie auch noch so glücklich, gibt es Streit. Es ist wichtig, diese Dinge zu verarbeiten und hinter sich zu lassen.

Wer seine:n Partner:in gekränkt oder einen schweren Fehler begangen hat, muss sich aufrichtig entschuldigen, eventuell spricht das Paar ausführlich über das Geschehene und die damit zusammenhängenden Gefühle, aber dann muss es auch wieder gut sein. Es tut der Partnerschaft nicht gut, das irgendwann in einer Streitsituation wieder aufzugreifen oder den:die Partner:in immer wieder an seine:ihre Vergehen zu erinnern. Das setzt ihn:sie unter Druck. Zum einen kommt bei ihm:ihr das Gefühl auf, seine:ihre Fehler würden ihm:ihr nie wirklich vergeben und vergessen werden, sondern pragten wie ein gut sichtbares Tattoo auf ihm:ihr, zum anderen wächst die Angst, einen neuen Fehler zu machen, der ihm:ihr auch für immer vorgehalten werden wird.

In einer glücklichen Partnerschaft müssen sich beide entspannen, sie selbst sein können und sich als sie selbst geliebt fühlen – mit ihren Fehlern und Schwächen. Sind die Fehler zu zahlreich, die Schwächen zu gravierend um sie akzeptieren zu können, ist der:die Partner:in vermutlich doch nicht der:die Richtige.

Persönliche Probleme verschweigen

Liebevolle Beziehungen sind davon geprägt, dass der:die Partner:in auch die engste Vertrauensperson ist, und deshalb sollte er:sie auch über die eigenen, persönlichen Probleme Bescheid wissen.

Es erzeugt Distanz, wichtige, private und vielleicht belastende Dinge zu verheimlichen: Der:diejenige, der:die nichts erzählen möchte, hat dann irgendwann das Gefühl, von der:dem Partner:in entfremdet zu sein, weil er:sie die wirklich wichtigen Dinge nicht weiß. Und der:diejenige, der:die nichts erfahren darf, merkt, dass etwas vor ihm:ihr verheimlicht wird und ist verletzt und irritiert, weil sein:ihr Partner:in ihm:ihr nicht vertraut, Geheimnisse hat und ihn:sie aus wichtigen Aspekten seines:ihres Lebens ausschließt.

Die Körperpflege vernachlässigen

Die äußere Erscheinung ist natürlich etwas, das in einer liebevollen Partnerschaft zweitrangig ist, und es sollte irgendwann auch egal sein, ob der Schlafanzug sexy ist, ob man gerade einen dicken Pickel auf der Nase hat oder ob die Beine rasiert sind oder nicht. Wo beständige und bewährte Liebe ist, ist so etwas nicht wichtig.

Die Körperpflege hingegen schon, denn sie ist eine Respekterweisung nicht nur an sich selbst, sondern auch an den:die Partner:in. Die Vernachlässigung der Körperhygiene hat schnell viele negative Folgen: Unangenehmer Geruch, unappetitlicher Anblick und in schlimmeren Fällen sogar Infektionskrankheiten, die auf den:die Partner:in übertragen werden können. Niemand sollte so etwas seinem:ihrem Partner zumuten wollen, und natürlich ersticken negative Sinneseindrücke die Gefühle: Bei aller Liebe wird es den meisten Menschen schwerfallen, ihre Ekelgefühle zu unterdrücken, je weiter die Vernachlässigung voranschreitet.

Die Beziehung als Selbstverständlichkeit begreifen

Der letzte Punkt betrifft weniger die Interaktion zwischen den Partner:innen, sondern die innere Einstellung: Glückliche Liebende begreifen ihre Beziehung nicht als Selbstverständlichkeit, sondern sind dankbar dafür, dass sie das Glück haben, die Liebe ihres Lebens gefunden zu haben. Dass sich der Mensch, in den sie sich verliebt haben, auch in sie verliebt hat und dass sie ein tolles Leben miteinander führen. Es ist nicht selbstverständlich, eine:n liebenden Partner:in zu haben. Viele Menschen warten noch auf die Liebe, sind nicht bindungsfähig, geraten immer an die falschen, werden ständig verlassen oder – wenn man in andere Teile der Welt blickt – werden zwangsverheiratet oder leben in so elenden Verhältnissen, dass für Liebesglück gar kein Platz ist.

Wer seine eigene Beziehung nicht als Selbstverständlichkeit begreift, sondern dankbar dafür ist, wird diese Dankbarkeit auch – vielleicht sogar ganz unbewusst – seinem:ihrem Partner:in zeigen – durch regelmäßige Liebesgeständnisse zum Beispiel, durch ein Akzeptieren seiner:ihrer Fehler, durch Höflichkeit, Vertrauen und durch die Respektierung seiner:ihrer Wünsche nach Freiraum.

Berit Brockhausen

Schöner streiten

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Selbst glückliche Paare haben mal Krach. Sie beherrschen aber die Kunst der Auseinandersetzung besser, oder können, kurz gesagt, schöner streiten. Wie das gehen kann, zeigt die erfahrene Paarberaterin Berit Brockhausen in diesem Buch praktisch und mit viel Humor. Dabei erfährt man, wie man den Ursachen für Streit auf die Spur und miteinander ins Gespräch kommt, wie es gelingt, den anderen zu verstehen und sich selbst verständlich zu machen, wie jeder erfolgreich Konflikte lösen kann und die Beziehung trotzdem rund läuft.

Franziska Muri

21 Gründe, das Alleinsein zu lieben

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Alleinsein kann etwas Beglückendes, Bereicherndes sein, ein Anstoß, sich selbst intensiv zu begegnen und das Leben auf ganz neue, freiere Art zu betrachten. Wer einmal gelernt hat, gut mit sich allein zu sein, der wird sich nicht einsam fühlen. Er wird zu tieferen Formen der Verbundenheit finden: mit sich selbst, mit anderen Menschen, mit der Natur, mit dem Spirituellen. Genau dazu macht dieses Buch Mut. Kunstvoll verwebt es persönliche Erfahrungen mit wertvollen Impulsen für das eigene Leben und offenbart die Geschenke, die im Alleinsein auf uns warten.

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