Mythos Beziehungsunfähig: Was wirklich dahinter steckt

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Krankhaft unverbindlich und deshalb unglücklich, so lautet die Theorie über die „Generation Beziehungsunfähig“. Aber gibt es das überhaupt, „beziehungsunfähig“? Und wenn ja, wie kann man der Falle entkommen? Wir beantworten Fragen zu dem populären Phänomen und entlarven Unwahrheiten über die Behauptung, dass der moderne Mensch auf einem Egotrip ist und darum keine Liebe zulassen kann

Ist die Generation der heute 20-35-Jährigen beziehungsunfähig?
Menschen hatten schon immer Probleme mit Beziehungen. Das lässt sich nicht an einem Geburtsjahr festlegen. Psychologen beobachten sogar eine Renaissance der Spießigkeit. In einer immer unsicherer und bedrohlicher erscheinenden Welt, in der traditionell sinnstiftende Elemente (wie z.B. Glaube) in den Hintergrund rücken, sehnt man sich nach Verbindlichkeit. Das Grundbedürfnis nach Liebe und einem Partner fürs Leben hat jeder Mensch.

Aber hielten Ehen denn früher nicht länger?
Aber nicht weil die Menschen per se „beziehungsfähiger“ waren. Sie hatten schlichtweg kaum die Möglichkeit, Konflikte anzusprechen und Konsequenzen zu ziehen. Gesellschaftliche Rollenbilder und materielle Zwänge – „Der Mann verdient das Geld, die Frau versorgt Haus und Kinder“ machten unfrei. Und so blieb man zusammen, mitunter in katastrophalen und lieblosen Beziehungen.

Ist beziehungsunfähig überhaupt die richtige Bezeichnung?
Das Wort „bindungsängstlich“ trifft es eher. Manche Menschen vermeiden Nähe. Das gilt aber nicht nur für Singles oder On-Off-Beziehungen. Auch Ehen können sehr distanziert sein.

Gibt es auch Bindungssüchtige?
Ja, das sind die so genannten Klammerer. Viele Menschen vereinen sogar beide Strukturen, bindungsängstlich und bindungssüchtig. Je nachdem, in welcher Phase der Beziehung sie sich befinden. Sind sie sich des Partners sicher, flüchten sie vor zu viel Nähe. Umgekehrt, wenn sich der Partner zurückzieht, erwacht der Jäger und sie klammern. Die Rollen wechseln zwischen passiv und aktiv.

Warum scheuen manche Menschen feste Bindungen?
Aus Verlustangst. Wer sich verliebt, macht sich abhängig und somit verletzbar. Lasse ich mich gar nicht erst auf eine emotionale Bindung ein, dann kann ich auch nicht enttäuscht werden. Liegen die Ursachen für Bindungsangst in der Kindheit? Oft haben diese Menschen als Kind gelernt, zum Beispiel durch die Eltern, dass es nur Extreme gibt: Dass man unfrei ist und sich verbiegen muss. Wer zu wenig Liebe erfahren hat, empfindet Bindungen als schmerzhaft. Wer wiederum zu viel Liebe erfahren hat, fühlt empfindet Bindungen als vereinnahmend. Daraus resultiert ein Glaubenssatz: So wie ich wirklich bin, liebt mich niemand. Und darum unterdrücken sie ihre Gefühle. Das ist anstrengend und einengend. Jemand der bindungsfähig ist, hat gelernt, dass beides möglich ist: Liebe und Freiheit.

Was kann man gegen Bindungsangst tun?
Zunächst einmal: sich selbst reflektiert betrachten. Nur wer sich des Problems bewusst ist, kann etwas dagegen tun. Statt es zu ignorieren („Ich habe die Richtige/den Richtigen eben noch nicht gefunden“) sollte man sich fragen: Was kann ich ändern? Diplom-Psychologin Stefanie Stahl entgegnet der populären These über die „Generation Beziehungsunfähig“ die Überzeugung: „Jeder ist beziehungsfähig“. Mehr über das Thema erklärt sie in ihrem neuesten Buch.

Stefanie Stahl

Jeder ist beziehungsfähig

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Als „Generation beziehungsunfähig“ sind sie gerade in aller Munde – Menschen, deren Beziehungen immer wieder an der Angst vor Nähe und Intimität scheitern. Jeder ist beziehungsfähig, sagt dagegen Stefanie Stahl, Deutschlands führende Expertin für Bindungsangst. Die Allermeisten von uns haben das Potenzial, mit einem Partner glücklich zu werden. Denn eine erfüllte Liebesbeziehung ist kein Zufall, sondern eine Frage der inneren Einstellung. Zentral dabei ist es, den Selbstwert zu stärken sowie die Balance zwischen Anpassung und Selbstbehauptung zu finden. Wenn wir diese Mechanismen verstehen, müssen wir nicht mehr darauf warten, dass sich der Partner verändert oder Mr oder Mrs Right anklopft, sondern können unsere Partnerschaften aktiv gestalten.

 

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