Brenda Strohmaier

Nur über seine Leiche

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Zehn Jahre lang versuchte Brenda Strohmaier, ihren Freund vom Heiraten zu überzeugen. Kaum hatte er endlich »Ja« gesagt, war sie plötzlich: Witwe. Mit 44. Fort war ihr kluger, schöner Mann, zurück blieb sie mit Trauerschmerz plus Bürokratieirrsinn. Und Fragen. Wie soll das gehen, so ein Leben und Lieben danach? Kann man mit Mitte 40 noch mal von vorne anfangen? Sie beschließt, der erzwungenen Rückkehr ins Single-Dasein ein paar neue Erkenntnisse abzutrotzen. Reist ein paar Monate durch die Welt, konsultiert Nachlassexperten, Meditationslehrer, Friseure, küsst eine Frau. Fazit ihrer irrwitzigen Odyssee: Bedingt lustig, dieses „verwitwet“. Aber verdammt lehrreich.

Wander Widow fängt neu an

Von: YukBook Datum: 21. March 2019

Der Titel lässt einen komödiantischen Krimi vermuten, doch der Untertitel verrät, worum es tatsächlich geht. Brenda Strohmaier schildert, wie sie nach dem Verlust ihres Mannes ihre Trauer verarbeitete und ein neues Leben als Witwe begann. Auch wenn sich die 44-Jährige während der langwierigen Krebserkrankung ihres Mannes mental auf einen möglichen Tod vorbereiten konnte, fühlt sie sich völlig überfordert. Was ist alles zu organisieren? Wie hat sie sich als Witwe zu verhalten? Wie geht das Leben weiter? Eine ganze Reihe von Fragen drängen sich ihr auf. Wie sie sich einer Aufgabe nach der anderen stellte und dabei ihren Humor nicht verlor, hat sie in 31 Lektionen zusammengefasst. Sehr schön fand ich, wie in ihrem Erfahrungsbericht das gemeinsame Leben mit ihrem Mann im Rückblick und die gegenwärtige Situation als Witwe miteinander verwoben werden. Manchmal lässt sie Erinnerungen aufleben und nimmt Abschied von gemeinsamen Tätigkeiten wie das feiertägliche Backen von Pfannkuchen. Mit der Trauerarbeit und dem Loslassen geht die Suche nach einer neuen Identität als Witwe und Single einher. Sie verschreibt sich eine Trauer-Reha Deluxe und unternimmt eine knapp sechsmonatige Weltreise von Kalifornien über Japan, Hongkong, Bali, Indonesien bis nach Australien. Die inhaltliche Vielfalt und gelungene Balance zwischen praktischen Tipps und persönlicher Geschichte machen das Buch zu einer sehr lesenswerten Lektüre. In manchen Passagen konnte ich mich gut mit ihr identifizieren, zum Beispiel wenn sie einen Exkurs zu spirituellen Weisheiten macht oder ihre Erfahrungen mit der Aufräummethode von Marie Kondo wiedergibt. Man merkt sofort, dass Schreiben ihr Metier und Gesellschaftstrends ihr Spezialgebiet ist. Ihr lockerer, schnoddriger Ton ist wunderbar zu lesen. Nie rutscht sie ins Sentimentale oder Sarkastische ab. Das Buch dürfte nicht nur für Witwen, sondern für alle, die nach einer Lebenskrise einen Neuanfang wagen wollen und bereit sind für „posttraumatisches Wachstum“, interessant sein. Über ihre Weltreise hätte ich gern noch viel mehr gelesen. Liebe Frau Strohmeier, wie wäre es mit einem zweiten Buch?

Frühling und starke Frauen

Von: niwibo Datum: 17. March 2019

Beim Cover und Titel dachte ich erst an einen Krimi. Aber Brenda Strohmaier, geb. 1971, lebt heute als Stilredakteurin der WELT in Berlin und kümmert sich um Trends aller Art. Nach dem Tod ihres Mannes Volker versucht sie, dem neuen Familienstand als Witwe neuen Glamour zu verleihen. Im Buch geht es zum Beispiel um Fragen wie, was mache ich mit den Eheringen. Sie findet übrigens eine wirklich hübsche und tragbare Schmucklösung dafür. Wie gestalte ich das Grab meines Mannes. Er war großer Hertha Fan und hat jetzt eine kleine stilistische Ausgabe des Olympia-Stadions als Grab mit einem Ministück des original Fußballrasens. Es geht um Patientenverfügungen, Vollmachten, die Frage, wer erbt was nach dem Tod, wie organisieren wir eine Beerdigung, die auch dem Toten gefallen hätte. Aber natürlich auch um die Trauer, wenn ein geliebter Mensch plötzlich nicht mehr da ist. Volker war lange Jahre chronisch krank, starb aber letztendlich an einem Fehler der Ärzte. Das Krankenhaus verklagen und eine Obduktion erwirken oder den Toten doch lieber friedvoll verabschieden? Anrührend aber nicht kitschig sind auch die Briefe, die Brenda an ihren verstorbenen Mann schreibt und ihn damit über ihr Leben auf dem Laufenden hält. Darin erzählt sie von ihrer Auszeit in Brüssel und Los Angeles, ihrem ersten Kuss als Witwe, ihrer neuen Frisur. Das alles auf eine wunderbar erfrischende Art, der auch den Stil ihrer Kolumnen in der WELT ausmacht. Alles in allem ein lesenswertes Buch über das Leben einer fast immer taffen Witwe und ein kleiner Ratgeber, was man alles schon vor dem Tod und danach beachten sollte. Aber auch ein Aufruf, das Leben zu genießen, denn es kann so schnell vorbei sein!