Rebecca Solnit

Wenn Männer mir die Welt erklären

Wenn Männer mir die Welt erklären Blick ins Buch

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Buch

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Ein Mann, der mit seinem Wissen prahlt, in der Annahme, dass seine Gesprächspartnerin ohnehin keine Ahnung hat - jede Frau hat diese Situation schon einmal erlebt. Rebecca Solnit untersucht die Mechanismen von Sexismus. Sie deckt Missstände auf, die meist gar nicht als solche erkannt werden, weil Übergriffe auf Frauen akzeptiert sind, als normal gelten. Sie schreibt über die Kernfamilie als Institution genauso wie über Gewalt gegen Frauen, französische Sex-Skandale, Virginia Woolf oder postkoloniale Machtverhältnisse. Leidenschaftlich, präzise und mit einem radikal neuen Blick zeigt Rebecca Solnit auf, was längst noch nicht selbstverständlich ist: Für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern gilt es, die Stimme zu erheben.

Von Machtverhältnissen, sexueller Gewalt und dem Verschwinden von Frauen

Von: Grenzenlos Datum: 27. November 2018

Der Titel des Buches ist provokant, eingängig und wirft auf jeden Fall eine Menge Fragen auf. Der Begriff "Mansplaining" wurde kurz darauf gängig (aber nicht von der Autorin geprägt und von ihr auch nicht vollkommen übernommen) und viele stoßen dabei sauer auf, "weil ja auch Frauen herablassend etwas erklären können". Der erste Essay (auch Titelgeber des Buches) beschäftigt sich mit diesem "Männerklären" und geht auch auf die Kritik ein, die dieser Aussage selbstverständlich entgegenschlägt. Bevor man aber zu schnell urteilt, sollte man sich mit dem Begriff genauer auseinandersetzen. Das Buch ist eine Zusammenstellung von Essays, die Solnit im Laufe der Jahre geschrieben hat und jetzt nochmal gesammelt erschienen sind und verschiedene Themen behandeln. Das heißt, sie hat sie nicht extra für das Buch geschrieben und sie wiederholt sich demnach in manchen Punkten öfters, greift immer wieder zu den selben Beispielen und natürlich sind die Themen ähnlich. Jeder Essay behandelt Bereiche, in denen noch sehr viel gearbeitet werden muss. Vor allem geht es um Machtverhältnisse allgemein und dass man nicht mehr von Einzelfällen sprechen kann, nachdem im Sekundentakt Frauen dieser mit der Macht einhergehenden Gewalt/Unterdrückung ausgesetzt sind. Keine Sorge, auch manche Frauen kommen nicht so gut weg, aber vor allem, weil sie im System Patriarchat mitmachen. Solnit versucht das Leben von Frauen aus der ganzen Welt miteinzubeziehen, man merkt jedoch an ihren Beispielen und ihren Verweisen auf die USA, dass sie US-Amerikanerin ist und ihre Essays dadurch schon auch geprägt sind. Aber sie beschränkt sich darauf nicht und öffnet ihren Blick auf die Missstände in vielen Ländern. Sie schweift auch meiner Meinung nach gerne etwas ab und bringt Vergleiche, die auf den ersten Blick nur schwer nachzuvollziehen sind. Sie hat ein unglaubliches Wissen über Fakten und Menschen und man merkt, dass ihre Essays sehr gut recherchiert sind. Fazit Die Essaysammlung gibt eine interessante Perspektive einer Frau frei, die sich mit Machtverhältnissen, Gewalt, Sexismus und Frauen allgemein sehr intensiv beschäftigt hat und viele Missstände aufzeigt. Sie wiederholt sich des Öfteren in ihren Texten, aber manche Sachen kann man einfach nicht oft genug sagen, bis sie sich in den Köpfen der Menschen eingenistet haben. Kein Buch, dass man so zwischendurch lesen kann, da es sehr zum Nach- und Mitdenken anregt. Aber von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!

Von Geschlecht, Macht und Hierarchie

Von: Jennifer Datum: 18. September 2018

Bereits der Einstieg zeigt, warum wir Feminismus auch heute noch dringend brauchen: Ein Mann erklärt in bestem Glauben der geistig Überlegene zu sein einer Frau auf einer Party eine bemerkenswerte Neuerscheinung. Das dieses Buch von ebenjener Frau geschrieben wurde, für ihn undenkbar und obwohl von Anwesenden darauf hingewiesen wird, fast schon nebensächlich. Dass diese Denkweisen und Strukturen so tief eingegraben sind, dass man sie gerne übersieht, ist mit einer der Gründe warum wir heute immer noch so stark gegen sie ankämpfen müssen. So geben die Essays viele Anregungen über ganz Alltägliches und die dahinter versteckten Strukturen nachzudenken! Da die Texte teilweise in großem zeitlichem Abstand geschrieben wurden, lassen sie sich auch beliebig einzeln lesen. Das Buch erklärt Anfängern zwar nicht den Feminismus, aber nichtsdestotrotz gehört Solnits Buch für mich zu den denkwürdigeren feministischen Werken. Denn sie schafft etwas viel wichtigeres: Sie regt an, über die gesellschaftliche Unterscheidung von Geschlecht nachzudenken! Wunderbare Essays mit jeder Menge kluger Gedanken, eine schöne Empfehlung für alle, die offen über hierarchische gesellschaftliche Strukturen nachdenken möchten. Leseempfehlung!

Warum Feminismus auch heute noch so wichtig ist

Von: Eva-Maria Obermann Datum: 05. July 2017

Der Einstieg ist eigentlich mehr oder weniger amüsant. Ein Kerl, der große Töne spuckt. Er meint, der Autorin von einem großartigen neuen Buch erzählen zu müssen, weil sie über das Thema geschrieben hat. Das Buch, das er meint, stammt von ihr, aber er merkt es nicht. Ein Idiot vor dem Herrn, der sich profilieren wollte, der Frau vor seinen Augen nicht zugetraut hat, etwas Großes und Wichtiges geschafft zu haben, und dabei gepflegt auf die Nase gefallen ist. Ja, das kennen viele Frauen. Der Einstieg ist auf den zweiten Blick nicht mehr amüsant, wenn ich daran denke, wie oft Frauen klein geredet werden, ihnen die Chance gar nicht gewährt wird, aus eben den Gründen, die auch jener Mann hatte. Bewusst oder unbewusst, Frauen werden längst noch nicht gleichbehandelt. Und doch ist dieses Beispiel ein harmloses im Vergleich zu denen, die noch kommen. Rebecca Solnit ist Journalistin und Autorin. Sie beschäftigt sich schon lange mit Umweltschutz und Menschenrechten, dabei auch immer wieder mit Frauenrechten. 2010 war sie eine der 25 Visionäre, die Utne Readers gekürt hatte. Ja, sie ist Feministin. Und dieses Buch zeigt, warum es wichtig ist, dass unsere Welt auch heute noch Feministinnen wie sie kennt. Im Sammelband steht neben dem lockeren Einstieg ein erschütternder Text über Vergewaltigung, ein grandioser zu Strauß-Kahn. Sie hat zur Ehe für Alle, zu Virginia Woolf, zu Feminismus und Weiblichkeitsbildern geschrieben und diese Texte sind zum Teil hier zu finden. Es sind kleine reale Horrorgeschichten. Es ist Realsatire. Texte, die mich nicht losgelassen haben, die erschütternd waren, faszinierend, bewegend, energetisierend. Denn so wie es ist, kann es nicht bleiben. Die Absurdität beispielsweise, dass Frauen „zu ihrem eigenen Schutz“ weggesperrt werden, statt die Welt so zu verändern, dass dieser Schutz unnötig ist. Sei es bei jungen Studentinnen, denen geraten wird, bei Einbruch der Dunkelheit ihre Wohnungen nicht mehr zu verlassen, statt dass den Männern erklärt wird, warum Vergewaltigung falsch ist. Dem krankhaften Machtanspruch der Vergewaltiger wird einer gegenübergestellt, der die Frauen wegsperrt. Diese Welt gehört noch immer dem Mann und er sorgt dafür, dass es so bleibt. Auf die eine oder andere Weise. Die Frau wird zum Objekt, das begehrt wird, beschützt werden muss. Zum Besitz. Dieser Anspruch wird auch in der Ehe noch immer geführt. Die Öffnung der Ehe für alle ist für Solnit darum auch die Möglichkeit, Gleichstellung innerhalb der Ehe zu erreichen. Die Vorstellung von einem „männlichen“ und einem „weiblichen“ Part in einer Beziehung – die nichts anderes meint, als einen dominanten und einen unterwürfigen Teil – abzulegen. Es ist der Traum von Beziehungen zwischen gleichwertigen Menschen – und nein, der ist leider oft keine Realität. Solnit schmeißt hier nicht mit angeblich feministischen Kapriolen um sich. Sie zeigt auf. Ihre Essays beschreiben reale Geschehnisse, zitieren Studien, Artikel, Menschen. Sie kommentiert diese auf eine sehr nüchterne, durchdachte Art und Weise. Damit reißt sie mich mit. Sie plakatiert nicht, sie nimmt den Leser mit durch ihre Überlegungen, auf eine Reise, die holprig ist, weil das Ziel ein Kriegsgebiet ist. Im Grunde bleibt sie die ganze Zeit die Autorin, die erzählt bekommt, jemand habe zu ihrem Thema ein bahnbrechendes Buch geschrieben. Ruhig, nachdenklich, fragend. Da sind Selbstzweifel und die Erkenntnis danach, dass es ihr Buch ist. Die Erkenntnis, dass nicht sie falsch ist oder das falsche Geschlecht hat, sondern die Welt. Eine Welt, die bewertet, ohne hinzusehen, aufgrund von Geschlechtsteilen. Ich habe schon oft gehört, die Welt bräuchte keine Feministen. Oder dass Feministen ein Ungleichgewicht gegen ein Ungleichgewicht eintauschen wollten. Dieses Buch wertet nicht. Manchmal, wenn ich mir gedacht habe, dass zu viel „Männer“ über einen Kamm geschert werden, genau dann, greift die Autorin zurück und relativiert. Dass es nicht „die Männer“ gibt. Aber die Täter, Vergewaltiger, Denkmuster. Das ist sehr gut gemacht. Sehr wichtig. Ich lege jedem dieses Buch ans Herz, denn es geht uns alle an, aus der einen oder anderen Perspektive.

Wenn Männer mir die Welt erklären

Von: Literameer Datum: 21. February 2017

In "Wenn Männer mir die Welt erklären" führt Rebecca Solnit in mehreren Essays die Mechanismen des Sexismus auf. Sie erzählt von körperlicher und verbaler Gewalt gegen Frauen, von alten und überholten Rollenbildern, von Mansplaining, Familie und Virginia Woolf. Nachdem ich angefangen habe mich mit Feminismus zu beschäftigen, bin ich auch immer wieder auf Rebecca Solnit gestoßen. Somit war es nur eine Frage der Zeit, bis ich zu ihrer Essay-Sammlung greifen würde. Zu Anfang erzählt die Autorin von einer Begegnung, wie sie die meisten Frauen sicher schon einmal erlebt haben. Ein (meist) älterer Mann erklärt großmütig die Welt, wie selbstverständlich davon ausgehend, dass die vermeintlich unwissende Frau nur so darauf gewartet hat von ihm, dem großen Aufklärer, aufgeklärt zu werden. Im Rahmen dieses Essays prägte Solnit den Begriff "Mansplaining", welcher auch in Deutschland immer häufiger verwendet, aber auch stark diskutiert wird. Mit viel Offenheit und noch mehr Wut spricht Solnit auch Tabuthemen, wie Gewalt gegen Frauen an. Alleine in Amerika wird alle 9 Sekunden eine Frau von einem Mann geschlagen. 9... 8... 7... 6... 5... 4... 3... 2... 1... Jetzt. Alleine in Amerika werden pro Jahr 87 000 Vergewaltigungen angezeigt, die Dunkelziffer an Vergewaltigungen liegt jedoch wesentlich höher. Alleine in Amerika sterben jedes Jahr mehr Menschen durch häusliche Gewalt als seit 2001 bis dato zusammengezählt durch Terrorismus gestorben sind. Dabei macht Solnit deutlich, dass ein Umdenken in der Gesellschaft zwingend notwendig ist. Wir dürfen uns nicht nur darauf konzentrieren, Frauen in der Opferrolle zu akzeptieren und ihnen Selbstverteidigungskurse und lange Kleidung zu verpassen, sondern Jungs und Männer müssen auch lernen, keine Täter zu werden. Sehr gut verdeutlicht Rebecca Solnit auch, dass es bei vielen Übergriffen nicht nur um einen Übergriff von einem Mann auf eine Frau geht, sondern auch um einen Übergriff von Reich und Mächtig auf Arm und machtlos. Diesen Aspekt fand ich sehr interessant und habe daraus einige neue Denkansätze gewonnen. Beim Lesen wird sehr deutlich, dass die Autorin immer wieder wütend ist. Und auch ich hatte immer wieder Wut im Bauch und musste mich nach den einzelnen Essays erst akklimatisieren. Dennoch ist Solnit keine stumpfe Männerhasserin und macht auch immer wieder deutlich, dass sie nicht verallgemeinert und dass selbstverständlich nicht jeder Mann Gewalt gegen Frauen ausübt. Sie verdeutlicht auch, dass es ebenso Frauen gibt, die zu Täterinnen werden. "Wenn Männer mir die Welt erklären" macht wütend, rüttelt aber auch auf und öffnet die Augen. Insgesamt sind die gesammelten Essays wirklich sehr lesenswert.

Differenzierter Einstieg in den Feminismus

Von: schiefgelesen Datum: 21. February 2017

Im titelgebenden Essay dieser Sammlung berichtet Solnit von einer Party, bei der ihr Gastgeber ihr begeistert von einem neuen, ganz wichtigen Buch über den Fotografen Muybridge erzählte. Solnits Begleitung versuchte mehrfach, ihm zu sagen, dass Solnit selbst dieses Buch geschrieben hatte. Vor lauter Selbstgefälligkeit hörte der Gastgeber diesen Hinweis aber erst beim dritten Mal und musste kleinlaut zugeben, dass er das Buch nicht mal gelesen hatte. Insgesamt umfasst dieser Band sieben Essays der Autorin, die sich alle mit der Position der Frau in der Gesellschaft befassen und der Frage, wie diese Position im Wandel ist. Solnit spricht viel über Gewalt, von der Frauen mehr betroffen sind, als Männer. Besonders häusliche Gewalt thematisiert sie in einigen Texten, aber auch die rape culture, in der den Opfern einer Vergewaltigung zumindest eine Teilschuld gegeben wird. Warum, fragt sie, müssen Frauen bestimmte Gegenden meiden, warum dürfen sie nachts alleine nicht unterwegs sein, warum sollten sie besser ein Taxi nehmen und keine kurzen Röcke tragen? Warum gibt man nicht den Tätern die Schuld und rät ihnen, am besten keine Frauen mehr zu vergewaltigen? Feminismus sieht sie nicht als Kampf der Geschlechter gegeneinander, sondern als einen Kampf gegen Geschlechterrollen die obsolet und gut für niemanden sind. Wenn die Männer da mitmachen wollen, sind sie ihr herzlich willkommen Denn, so ihr Credo, entweder sind wir gemeinsam frei oder gemeinsam unfrei. Solnit hat einen angenehm unaufgeregten und unpathethischen Ton, versteht es aber trotzdem, aufzurütteln. Einige ihrer Texte sind schon ein paar Jahre alt, aber unverändert wichtig und aktuell und sie werden es wohl auch noch eine ganze Zeit bleiben. Die Autorin baut auf harte Fakten, liefert aber sehr lesbare Texte, die jeden theoretischen Schrecken verloren haben und auf sehr bodenständige Weise auf enorme Ungerechtigkeiten hinweisen. Solnit gehört unbedingt gelesen.

Feministische Essays

Von: Bearnerdette Datum: 05. February 2017

Rebecca Solnit schreibt in ihrem neuen Buch "Wenn Männer mir die Welt erklären" über wichtige Themen. In ihren vielseitigen Essays geht es um Themen, die nicht immer einfach sind. Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, ist das Buch absolut lesenswert. Rebecca Solnit hat das erlebt, was viele Frauen sicher kennen - ein Mann erklärt ihnen etwas, was sie eigentlich selbst besser wissen. Um diese Angewohnheit männlicher Artgenossen geht es in Rebeccas erstem Essay - es ist das Essay, welches dieser Sammlung ihren Titel geliehen hat: Wenn Männer mir die Welt erklären (im Original: Men Explain Things to Me). Es ist aber nicht das einzige Thema, das behandelt wird. Solnit beschäftigt sich mit unbequemen Wahrheiten, seien es Gewaltbereitschaft und Vergewaltigungen, gleichgeschlechtliche Ehen und warum sich manche Menschen unnötigerweise davon bedroht fühlen, oder die Frage, wie es gewisse Männer zu Machtpositionen bringen, obwohl sie Solnits Meinung nach einen zweifelhaften Charakter haben (als Beispiel nennt sie u.a. Dominique Strauss Kahn). In ihren Essays geht es um Macht und um 'Entitlement', um Ungleichgewichte und harte Fakten. Solnit schafft es dabei relativ sachlich zu bleiben und dennoch den Leser mitzureißen. Sie argumentiert gut und schlüssig, untermauert vieles aber auch mit persönlichen Erfahrungen. Ja, Solnit serviert mitunter harten Tobak und das ist auch gut so. In einer Welt in der Frauen immer noch ermordet werden, weil sie die Avancen von Männern ablehnen, in der College-Athleten junge Mädchen vergewaltigen und mit lächerlichen Strafen davonkommen, braucht es Menschen, die sich mit diesen Problemen beschäftigen. "Wenn Männer mir die Welt erklären" ist kein Anti-Männer - Buch, aber es ist ein feministisches Buch. Es stellt Fragen, die gefragt werden sollten. Ich kann dieses Buch uneingeschränkt empfehlen - es regt zum Nachdenken an. Einziger Kritikpunkt: Für einen Preis von fast 10 Euro ist es ein recht dünnes Buch. Da hätte man den Preis vielleicht ein wenig nach unten schrauben können. "Wenn Männer mir die Welt erklären" ist im btb Verlag erschienen.