Sue Watson

Mein wunderbarer Eiscremesommer

Mein wunderbarer Eiscremesommer Blick ins Buch

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Kaum sind die Kinder aus dem Haus, hat sich auch der Mann aus dem Staub gemacht. Das Leben ist kein Zuckerschlecken für Ella: ohne Job, ohne Partner, bald wohnungslos und als Sitterin eines kleinen Hündchens, das besser gekleidet ist als sie selbst. Doch als Ella den alten Eiscremewagen ihrer Tante erbt, ergreift sie kurzerhand die Chance für einen Neuanfang. Sie packt ihre Tasche und macht sich auf den Weg ins malerische Küstenörtchen Appledore in Devon. Dort möchte sie die glücklichen Sommer ihrer Kindheit wiederaufleben lassen. Der sympathisch-chaotische Anwalt Ben, der sich um den Nachlass von Ellas Tante kümmert, hat auch schon eine Idee, wie man den Wagen und Ellas Leben wieder in Gang bekommen könnte. So stürzt sich Ella in das Geschäft mit den sahnigen Träumen und erlebt den Sommer ihres Lebens.

Midlife-Crisis oder Liebesgeschichte? Auf jeden Fall sehr unterhaltsam!

Von: Kathrin N. Datum: 16. June 2020

„Seit ich hier in Appledore bin, habe ich erkannt, dass meine Familie, meine Herkunft,das Glück meiner Kindheit und die Liebe für meine Kinder mir die Kraft und Zuversicht gegeben haben, meinen Traum beharrlich zu verfolgen... Appledore hat mich gerufen und in seine Arme geschlossen...“ (Auszug S. 390) Ella ist Mitte vierzig, hat zwei fast erwachsene Kinder, lebt mit ihrer etwas kauzigen Mutter unter einem Dach; ihr Mann hat sich von ihr wegen einer Jüngeren mit „Plastik-Ti...“ getrennt und nun hat sie auch noch ihren Job verloren... ganz schön viel Klischees, oder? Es geht noch weiter ;) Ihre Tante vererbt ihr in einem malerischen Küstenort Appledore einen alten Eiswagen und Ella springt ins kalte Wasser, lässt ihr altes Leben samt Mutter (die Kids sind eh gerade auf Weltreise) hinter sich und beginnt ein neues. Nun, was sich wie ein unterhaltsamer, aber eher seichter Sommerroman für die Sonnenliege am Pool liest, entpuppt sich nach und nach als interessanter Midlife-Roman rund um eine Frau, die für das Idealbild einer Ehe ihre Träume hintenan gestellt hat und nun die Chance ergreift, sich neu zu entdecken und entfalten. Dabei bekommt sie Unterstützung von dem etwas chaotischen, aber unkonventionellen Anwalt Ben und (unerwartet) auch von ihrer Mutter, die lange ein gut gehütetes Familiengeheimnis verbirgt. Im Laufe des Romans nimmt die Geschichte richtig Fahrt auf, nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich, wobei sich hier auch die gekonnte Übersetzung zeigt ;) Die Geschichte lässt sich gut lesen, manchmal muss man schmunzeln und nicht nur einmal habe ich Lust auf ein gutes Eis bekommen – herrje, wo habe ich meine Eismaschine versteckt? Ja, diese habe ich tatsächlich rausgeholt, da das Buch am Ende ein leckeres Basis-Vanillerezept offenbart – viel Spaß beim Nachmachen :-) „Mein wunderbarer Eiscremesommer“ ist kein typischer Liebesroman – die Liebesgeschichte rahmt das eigentliche Geschehen rund um Ella nur ein – sondern der Fokus liegt auf der Entwicklung der Protagonistin, was mir wirklich gut gefallen hat. Ich konnte mich gut mit ihr identifizieren (liegt wohl auch am Alter) und habe so manches auch nachvollziehen können, was für mich immer einen Pluspunkt wert ist. Alles in allem ist der zweite bei Heyne erschienene Roman von Sue Watson (der erste spielt übrigens auch in Appledore und erschien 2019) eine echte Überraschung, die ich gerne als Empfehlung weitergeben möchte. PS: Liebe Covergestalter – wie wäre es mit einem passenden Eiswagen in weiß-rosa gewesen?