Eine neue Partnerschaft für alleinerziehende Singles: Warum ist es so schwer?

Eine neue Partnerschaft als Alleinerziehende:r

Als Alleinerziehende:r hast du es deutlich schwerer, eine:n neue:n Partner:in zu finden als ein Single ohne Kinder. Die Zeit, die du für die Partnersuche und für das Kennenlernen eventueller Partner:innen hast, ist rar. Einige Partnersuchende klammern Singles mit Kindern von Anfang an aus, weil sie keine Kinder zwischen ihrer Beziehung stehen haben möchten. Und es ist ja auch tatsächlich nicht von der Hand zu weisen, dass du eine neue Partnerschaft nicht vollkommen unabhängig von deinem Kind gestalten kannst. Die Chemie zwischen Partner:in und Kind muss passen, sonst sind Probleme vorprogrammiert, und ein Zusammenziehen wird erst recht nicht möglich. Wenn wir im folgenden der Einfachheit halber von „dem Kind“ schreiben, ist natürlich auch immer die Mehrzahl gemeint, wenn du mehrere Kinder hast.

Keine Zeit für eine neue Liebe

Ein eklatanter Mangel an Freizeit für sich selbst ist wohl ein Problem, das jede:r alleinerziehende Singlevater und Singlemutter kennt, der:die sich das Sorgerecht für seine:ihre Kinder nicht mit dem:der Expartner:in teilt. Und wenn die Kinder abends im Bett sind und du etwas Zeit hast, kannst du auch nicht ohne Weiteres rausgehen und auf einem Date eine:n potenzielle:n Partner:in kennenlernen.

Vielleicht hast du aber gar nicht erst den Nerv dazu, dich abends hinzusetzen und Datingseiten durchzusehen oder gar auf gut Glück ins Nachtleben loszuziehen, weil am nächsten Morgen schon die Arbeit ruft, zuhause extrem viel zu tun ist oder du einfach total kaputt vom vergangenen Tag bist. Schlafen ist dann verführerischer, egal wie sehnlichst du dir eine neue Partnerschaft wünschst.

Dieses permanente Eingespannt-Sein im Alltag macht es nicht gerade einfach, den Fokus auf die Partnersuche zu legen. Du brauchst Unterstützung aus deiner Familie und deinem Freundeskreis. Liebe Menschen, die sich abends in deine Wohnung setzen oder einen Ausflug mit deinen Kleinen machen, damit du mal alleine unterwegs sein kannst, oder dir einfach ein paar Aufgaben abnehmen, damit du nicht alles alleine machen musst, was Elternpaare untereinander aufteilen.

Das Kind mag den:die neue:n Partner:in nicht

Endlich hast du es tatsächlich geschafft, jemanden kennenzulernen und dich zu verlieben, du bist sogar ganz hin und weg von deiner neuen Liebe – und dann läuft die erste Begegnung zwischen ihm:ihr und dem Kind alles andere als gut. Im Folgenden zeigt dein Kind offen, dass es von dem:der neuen Mann oder Frau an deiner Seite nichts hält. Es zeigt sich eifersüchtig auf ihn:sie, benimmt sich unverschämt und macht dir damit deine Verliebtheit total kaputt.

Dein Kind meint seine:ihre Ablehnung nicht böse

Es ist verständlich, dass du nicht möchtest, dass irgendjemand sich in deine Partnerwahl einmischt, auch nicht das eigene Kind. Sicherlich fühlst du dich auch ausgelaugt und müde von deinem Alltag, wenn du das Kind überwiegend alleine versorgst und dir der Raum für dich und deine eigene Intimsphäre fehlt. Dass er oder sie dir dann das Glück einer neuen Beziehung gönnt, sollte doch das Mindeste sein, vor allem dann, wenn er oder sie altersmäßig schon in der Lage ist, einzuschätzen, wie bereichernd eine Beziehung sein kann.

Dein Standpunkt ist verständlich, doch auch die Perspektive des Kindes darfst du nicht außer Acht lassen, denn die Situationen Alleinerziehender sind meist auch für die Kinder nicht einfach. Ein:e neue:r Partner:in kann das Salz in der Wunde eines Kindes sein, das noch Sehnsucht nach seiner einstigen Familie oder vielleicht sogar die heimliche Hoffnung hat, dass du und dein:e Expartner:in euch wieder zusammenrauft. Auch wenn die Mutter oder der Vater des Kindes verstorben ist, kann es gut sein, dass du früher wieder bereit bist, jemand neues in dein Leben zu lassen, als das Kind.

Respektiere die Gefühle und Sehnsüchte deines Kindes

In deiner Einsamkeit und deiner Sehnsucht nach Liebe könnte es leicht passieren, dass du die Bedürfnisse des Kindes ein wenig verdrängst. Aber vergiss nicht, dass die Trennung der Eltern, der Verfall der Familie und natürlich der Tod eines Elternteils ein Kind schwer traumatisieren können. Ein Kind, das von deinem:deiner neuen Partner:in überhaupt nichts wissen möchte, obwohl du total verliebt bist, hat es nicht darauf abgesehen, dir dein Glück zu verderben, sondern hat höchstwahrscheinlich Angst. Es hat Angst davor, von dir vernachlässigt zu werden, dich auch noch zu verlieren, dass das verstorbene Elternteil in Vergessenheit gerät oder dass dein:e Partner:in dem leiblichen Vater oder der leiblichen Mutter seine:ihre Stellung streitig machen möchte.

In liebevollen Gesprächen kannst du den Ängsten deines Kindes auf den Grund gehen und sie ihm:ihr nehmen. Vermittle ihm:ihr dabei, dass er:sie die höchste Priorität in deinem Leben hat, egal was und wer kommt, und dass sein Verhältnis zum:zur leiblichen Vater oder Mutter nicht angetastet werden wird. Ist dein:e Partner:in verstorben, versichere dem Kind, dass er:sie auch in deinem Herzen weiterlebt – trotz neuer Partnerschaft. Vielleicht wird dein Kind dann aufgeschlossener, denn mit deinem:deiner neuen Partner:in als Individuum hat die Ablehnung wahrscheinlich nichts zu tun.

Ihr könnt, aber müsst keine neue Familie werden

Die meisten Kindern werden eine:n neue:n Partner:in im Laufe der Zeit zu akzeptieren lernen, wenn du liebe- und verständnisvoll mit ihren Gefühlen umgehst, ihnen sanft deine eigenen Gefühle und Wünsche vermittelst und ihnen vor allem stets deine Liebe zeigst.

Das heißt aber nicht zwingend, dass ihr nun eine neue Familie werden könnt. Patchwork-Familien können bunt und für alle bereichernd und glückstiftend sein, aber die Realität ist leider auch, dass gut die Hälfte aller Patchwork-Familien wieder auseinanderbricht – und das bringt natürlich wieder Instabilität in das Leben aller Beteiligten.

Ihr könnt nach einer gewissen Zeit, in welcher sich zeigen konnte, dass die Chemie allseits stimmt – zwischen deinem Kind und deiner:deinem Partner:in und natürlich auch zwischen dir und seinen:ihren Kindern sowie der Kinder untereinander, falls auf der anderen Seite ebenfalls Kinder vorhanden sind – und ein gemeinsamer Alltag funktioniert, natürlich den großen Schritt wagen und alle zusammenziehen. Manche Menschen bauen sich so ein neues, wunderschönes Familienglück auf, das vielleicht viel harmonischer ist als die erste Familie jemals war.

Der bekannte Familientherapeut Jesper Juul hat sich in seinem Buch „Aus Stiefeltern werden Bonuseltern“ dem Thema Patchwork-Familie gewidmet und gibt wertvolle Tipps, wie neu zusammenwachsende Familien miteinander glücklich werden können.

Aber es klappt nicht immer. Um den schlimmsten Fall, nämlich viel Streit und Ärger und eine rasche Trennung, zu vermeiden, solltest du Schritt für Schritt ausprobieren, was für dich und deine:n neue:n Partner:in das Richtige ist.

Zusammenziehen in kleinen Schritten – oder gar nicht?

Nehmt euch zunächst genug Zeit, um euch kennenzulernen und zu schauen, ob ihr auf einer Wellenlänge seid und die Beziehung Potenzial hat, und bindet dann erst dein Kind mit ein. Wenn wiederholt Personen an deiner Seite auftauchen, zu welchen dein Kind eine Bindung aufbauen soll, die dann schnell wieder aus eurem Leben verschwinden, weil die Beziehung gescheitert ist, kann das für Kinder emotional belastend sein, gerade wenn sie noch klein sind und den:die Partner:innen tatsächlich ins Herz schließen.

Haltet dann erstmal ein oder auch mehrere Treffen auf neutralem Boden ab, bevor dein:e Partner:in euch besuchen kommt oder anders herum. Danach kommen die Aufenthalte in den jeweiligen Haushalten, die nach und nach länger werden können. Erst dann, wenn sich alle lang genug kennen und ihr alle auch die Möglichkeit hattet, einander im Alltag und mit euren eher schwächeren Charaktereigenschaften kennenzulernen, sollte das Thema Zusammenwohnen in Angriff genommen werden. Bis dahin habt ihr sicherlich auch schon gemerkt, wenn dieser Plan wohl zum Scheitern verurteilt ist und jeder lieber in seinem eigenen Haushalt bleibt. Eine schöne, erfüllende Partnerschaft kannst du so trotzdem führen, und gleichzeitig gerät niemand im Alltag ständig aneinander. Dann bist du zwar noch immer alleinerziehend, aber nicht mehr Single und vielleicht ist das ja für dich, deine neue Liebe und dein Kind gerade die beste Lösung.

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