Finanzen in der Beziehung: Entspannt umgehen mit dem Thema Geld

Finanzen in der Beziehung

Das Thema Geld ist unromantisch. Kein Mensch streitet mit seinem:seiner Partner:in gerne über Geld – und doch haben finanzielle Uneinigkeiten schon Freundschaften, Partnerschaften und Familien zerstört.

Natürlich ist es unnötig, gleich beim ersten Date über das Thema Finanzen zu sprechen – erstmal sollte doch klarwerden, ob du und dein Date zusammenpassen. In finanzieller Hinsicht sollte es nur selten etwas geben, das einer Person aus Prinzip so wichtig ist, dass eine Beziehung damit steht und fällt oder gar nicht erst infrage kommt. Kompromisse sind da einfacher als bei anderen das gemeinsame Leben betreffenden Themen (wie zum Beispiel die berühmte Kinderwunsch-Frage, die Kompromisse nur allzu schwierig macht).

Aber wenn ihr dann zusammen seid, euren Alltag immer mehr miteinander teilt und womöglich auch zusammenwohnt, sollte das Geldthema auf jeden Fall auf den Tisch, damit es nicht irgendwann unerwartete Konflikte gibt. Sprecht über eure Einnahmen und Ausgaben, über vorhandene, geplante oder gewünschte Geldanlagen, Schulden sowie darüber, was ihr mit gemeinsamem Geld oder Eigentum tun möchtet, falls eure Beziehung nicht halten sollte.

Natürlich müsst ihr nicht wöchentlich über Geld reden – das ist ein Thema, das in der Regel so nebenbei läuft. Doch ist es sinnvoll, wenn eine:r von euch beiden – eben der:diejenige, der:die eine größere Affinität dazu hat – einen Überblick über eure finanzielle Situation behält und das Gespräch sucht, falls er:sie irgendwelche Schieflagen oder andere Probleme feststellt. Wenn du dich als Frau für dieses Thema interessierst und gerne besser durchblicken möchtest in dem kompliziert anmutenden Finanzbereich, lies doch das kürzlich erschienene Buch von Carola Ferstl, „Keine Angst vor Mäusen“. Die Finanzexpertin erklärt gut verständlich, wie Frauen ihre Finanzen in den Griff bekommen.

Gemeinsam und doch autonom: Das Drei-Konten-Modell

Sehr beliebt ist bei Paaren das Drei-Konten-Modell: Man hat ein gemeinsames Haushalt- oder Familienkonto, und zudem hat jeder sein:ihr eigenes Konto. Jede:r überweist regelmäßige Beträge auf das gemeinsame Konto. Die werden von manchen Paaren 50:50 aufgeteilt, andere Paare lösen das anders – zum Beispiel prozentual, je nach Einkommen: Jede:r überweist zum Beispiel 40 % seines:ihres Gehalts auf das gemeinsame Konto.

Das ermöglicht dem Paar, einen Teil des vorhandenen Geldes gemeinsam zu verwalten. Sie können davon sparen, größere Anschaffungen tätigen, ihr tägliches Leben finanzieren oder Projekte unterstützen, die beiden wichtig sind.

Zugleich hat jede:r Partner:in einem Teil seines:ihres Geldes zur freien Verfügung und kann damit eigene Herzensangelegenheiten finanzieren, ohne für den:die Partner:in angreifbar zu sein. Einem Streit darum, wofür Geld ausgegeben werden sollte oder nicht, beugt ein Drei-Konten-Modell jedenfalls weitgehend vor. Eine Ausnahme sind Kredite bei Ehepaaren: Wenn man verheiratet ist, können für Kredite beide Ehrpartner:innen belangt werden – hat eine:r von euch also ohne Wissen des:der anderen einen Kredit aufgenommen, den er:sie nicht tilgen kann, erlebt der:die Ehepartner:in eine böse Überraschung: Er:sie wird zur Kasse gebeten. Da ist Streit natürlich vorprogrammiert.

Das Modell Hauptverdiener:in

Das vor einigen Jahrzehnten noch selbstverständliche Prinzip des Mannes als Haupt- oder sogar Alleinverdiener wird zunehmend kritisch betrachtet. Eine Bewegung innerhalb des Feminismus fordert Frauen dazu auf, sich finanziell nicht von einem Mann abhängig zu machen. Bascha Mika tut das zum Beispiel mit ihrem Buch „Die Feigheit der Frauen“. Sie betrachtet Frauen, die die Rolle der Hausfrau übernehmen, als nicht selbstbestimmt. Oder Helma Sick und Renate Schmidt. Sie erklären in ihrem Buch „Ein Mann ist keine Altersvorsorge“, „warum finanzielle Unabhängigkeit für Frauen so wichtig ist“.

Was bei dieser Seite der Diskussion womöglich etwas zu kurz kommen könnte, ist die Perspektive jener Frauen und Männer, die sich ganz bewusst dafür entscheiden, sich das vom Mann verdiente Geld zu teilen, sodass die Frau ihre Zeit anderweitig als mit Erwerbsarbeit nutzen kann. Sei es mit Haushaltsarbeiten, Ehrenämtern, Kunst, Kindererziehung, Selbstversorgung durch Gärtnern oder was auch immer – die Möglichkeiten sind, wenn man genau hinschaut, vielfältig.

Und natürlich kann es auch anders herum sein: Dass die Frau als Alleinverdienerin das Familiengeld nach Hause bringt, während ihr Mann sich um andere Dinge kümmert, die beiden wichtig sind. Oder dass ein homosexuelles Paar sich ihre Aufgaben auf diesen Weise aufteilt.

Wer kein Geld verdient, hat es politisch und gesellschaftlich schwer

Im Prinzip sollte natürlich jedes Paar seine Beziehung so gestalten, wie sie beide glücklich macht. Das ist bei den Finanzen nicht anders als bei anderen Themen – zum Beispiel ob die Beziehung offen ist oder monogam, ob Kinder erwünscht sind, welche sexuellen Praktiken ausgeübt werden oder wie viel Zeit mit- bzw. ohne einander verbracht wird.

Doch leider ist es zumindest momentan noch ein politischer Fakt, dass die nicht-erwerbstätige Person in einer Beziehung im Nachteil ist: Sie ist im Falle einer Trennung im Alter umso schlechter gesetzlich abgesichert, je nachdem, wie lange sie keiner bezahlten Arbeit nachgegangen ist. Gesellschaftlich wird die Person als jemand betrachtet, der:die auf Kosten eines:einer anderen lebt.

Vielleicht lässt sich dieser politische und gesellschaftliche Zustand in Zukunft ja korrigieren, zum Beispiel durch eine umfassende Reform des ohnehin wackeligen Rentensystems, durch die Einführung eines Grundeinkommens oder durch eine gänzliche Abkehr vom Prinzip „Arbeit“, wie wir es bisher kannten – so, wie es Richard David Precht in seinem Buch „ Jäger, Hirten, Kritiker – Eine Utopie für die digitale Gesellschaft“ kommen sieht.

Bis dahin aber, ist es jedem Paar geraten, seine finanzielle Situation auch für zukünftige Szenarien zu klären – in erster Linie eben für den Fall einer Trennung. Der:die Partner:in, der:die viel weniger oder gar kein Geld verdient, muss abgesichert sein, zum Beispiel durch den so unromantischen, aber nun einmal bindenden Ehevertrag oder ein Einzahlen des:der geldverdienenden Partners:Partnerin in die Altersvorsorge des:der Anderen.

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