Für euch enthüllt: Das Geheimnis der ewigen Liebe

© David Dieschburg / photocase.de

Wir alle wünschen sie uns, und trotzdem ist sie schwer zu finden: die ewige Liebe. Der Paartherapeut Josef Aldenhoff erklärt im Interview, woran das liegt.

Her Aldenhoff, gibt es die ewige Liebe überhaupt?

Unser Leben ist endlich, und so ist auch die Liebe. Es gibt aber Liebesbeziehungen, die ein ganzes Leben lang dauern. Ihr Geheimnis ist wahrscheinlich, dass sich ihre Liebe mit den natürlichen Veränderungen der Liebespartner wandelt und so immer frisch und attraktiv bleibt. Voraussetzungen dafür sind Interesse am Anderen, Neugier auf seine unbekannten Seiten und Offenheit für Herausforderungen. Und dass man Zufriedenheit in den glücklichen Momenten des Lebens empfinden kann.

Werden es immer weniger oder auch wieder mehr Menschen, die daran glauben?

In der letzten Zeit scheinen wieder mehr Menschen den Wunsch nach lang andauernden Liebesbeziehungen zu haben.

Haben wir eine überzogene Vorstellung von Partnerschaft?

Auf jeden Fall eine sehr an unsere Zeit gebundene! Heute werden Verliebtheit und Liebe zur entscheidenden Voraussetzung einer Partnerschaft gemacht. Verliebt man sich in eine andere Person, so gilt das für uns als Legitimation, den Partner zu wechseln. Wenn ich mich „entliebe“, hält mich kaum noch etwas in einer Beziehung.

Das war nicht immer so: Wie die Soziologin Eva Illouz betont, ging man zum Beispiel in der Zeit, in der die Romane von Jane Austen spielen, eine Verbindung auf der Basis von wirtschaftlichen Gründen ein. Die große Lebensaufgabe war es, die Gefühle und – vielleicht auch die Liebe –  an dieser Beziehung wachsen zu lassen.

Konzentrieren wir uns zu sehr auf das, was andere denken oder tun?

Im Zeitalter der sozialen Medien spielen die Gedanken, Gefühle und Handlungen der Anderen eine große Rolle, weil generell sehr schnell kommuniziert und kommentiert wird. Alles, was mit Liebe zusammenhängt, ist aber hochgradig individuell. Auch der Sex. Was mir gefällt, was ich genießen kann, was mir Lust oder Frust macht, hängt ganz allein von mir ab. Selbstbesinnung und Selbstwahrnehmung sind wichtiger, als ständig zu scannen, was in meinen sozialen Netzen gerade angesagt ist. Sich dazu zu bekennen, braucht eine ganze Menge Mut.

Gibt es in der Liebe überhaupt „normal“, oder muss das jedes Paar für sich selbst entdecken?

Sie müssen sich als einzelner und als Paar immer wieder selbst entdecken. Normalität ist immer Ihre eigene Normalität, nicht die der Anderen. Deswegen ist es etwas einzigartig Kostbares, wenn sich zwei sehr eigene Individuen verlieben und ein Paar bilden, das dann wiederum sehr individuell ist. Glück ist es, das wahrnehmen und leben zu können.

Was können wir von Anfang an für eine lange Lebensdauer unserer Beziehung tun?

Die Liebesbeziehung als das nehmen, was sie vor allem ist – kostbar! Ein Geschenk. Sich mit definierten Erwartungen zurückhalten und immer wieder überraschen lassen. Sich klarmachen, dass zwar jede Beziehung Voraussetzungen hat, aber nicht nur zur Erfüllung meiner Ansprüche da ist.

Was tun, wenn ich mich bei Trennungsgedanken erwische?

Sie ernst nehmen! Es ist sinnlos, Gedanken oder Gefühle zensieren zu wollen.

Trennungsgedanken sind ein Hinweis darauf, dass ich mit mir und der Paarsituation nicht im Reinen bin. Wenn ich mir auf Grund von Trennungsgedanken die Beziehung genau anschaue, kann ich herausfinden, was mich stört, was vielleicht nicht stimmt, und dann die Beziehung retten – oder mich trennen, wenn es nicht anders geht. Ich hatte mal ein Paar bei  mir in der Therapie, das kam mit einer großen Unzufriedenheit, einem deutlich geäußerten, aber letztlich nebulösen Trennungswunsch. Als ich Ihnen die Bedingungen einer Trennung sehr genau dargestellt hatte, wie sie sich trennen könnten und was das wiederum für sie bedeute, kamen sie wie frisch Verliebte zur nächsten Sitzung und meinten, die Auseinandersetzung mit dem Thema Trennung haben ihnen klargemacht, dass sie das nicht wollten.

In welchen Fällen würden Sie eine Paartherapie empfehlen und wann ist sie zwecklos?

Eine Paartherapie ist bei allen Schwierigkeiten in Beziehungen gut, mit denen das Paar allein nicht zurechtkommt. Miteinander zu reden ist immer gut, und der Therapeut kann diesen Prozess befördern. Eine Paartherapie kommt oft schon mit wenigen Sitzungen zum Ziel. Man kann sie auch immer mal wieder machen, wenn Bedarf besteht. Zahlen müssen Sie sie sowieso selbst. Zwecklos ist sie, wenn einer von beiden nicht ehrlich sein kann.

Wie schaffen Sie es als Therapeut, immer objektiv zu bleiben und sich nicht auf eine Seite zu stellen?

Das lernt man in der Ausbildung, aber es gelingt auch nicht immer. Deswegen ist es leichter, mit Paaren zu zweit zu arbeiten.

Gibt es Leute, die besser Beziehungen führen können als andere?

Vielleicht nicht generell, aber es gibt Beziehungen, die gut gelingen, und andere, die einen ewigen Kampf darstellen. Offenheit, Toleranz und die Kenntnis der eigenen Macken helfen.

Kann man Beziehungsfähigkeit trainieren?

Na ja. Gut ist es, erst mal herauszufinden, was Sie wollen, was Ihnen gefällt, was Ihnen Lust macht und wovor es Ihnen graust. Kommunikation können Sie lernen, Zuhören auch, und sogar, wann Sie sich streiten müssen. Aber Sie können nicht trainieren, mit jedem möglichen Partner gut auszukommen.

Welche Rolle spielt Sex tatsächlich?

Oh! Eine ziemlich gewaltige und – vor allem – eine nur schwer kontrollierbare! Sex mit dem richtigen Menschen kann vollkommen überirdisch sein, mit dem falschen ist es vielleicht eine Katastrophe. Sie brauchen Phantasie!

Wie sehr hat Ihrer Ansicht nach das Online Dating unser Verständnis von Partnerschaft beeinflusst?

Online Dating erweitert die Möglichkeiten,  jemanden kennenzulernen, die oder der ebenfalls auf der Suche ist. Es schafft also eine Plattform, einen mehr oder weniger geschützten Raum, um kontrolliert – das ist für viele Menschen sehr wichtig – herauszufinden, ob ich einem anderen Menschen näherkommen will und kann. Letzteres müssen Sie nach wie vor im realen Leben tun: sich treffen, reden, sich kennenlernen, sich trauen, Nähe zuzulassen. Es bleibt also aufregend!

Ausführliche Tipps und Beispiele aus der Paartherapie findet ihr in „Ich und Du warum“, dem neuen Buch von Josef Aldenhoff.

Josef Aldenhoff

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Nichts halten wir für so selbstverständlich wie das Vermögen, eine gute Zweierbeziehung zu leben. Und kaum etwas scheitert so regelmäßig wie die Ehe. Dauerhaft gelungene Partnerschaften sind rar. Doch unermüdlich stürzen wir uns in das Abenteuer Beziehung. Warum? Und was können wir tun, damit eine Beziehung gute Chancen hat?

Diesen Fragen geht der erfahrene Psychotherapeut Josef Aldenhoff nach. Dabei macht er gleich zu Beginn klar, dass wir keineswegs nur mit dem Hier und Jetzt des Beziehungsalltags kämpfen, denn unser innerer Schaltplan hat Millionen Jahre auf dem Buckel. Unsere Vorstellungen von romantischer Liebe, tollem Sex, gutem gemeinsamen Altwerden – und das alles mit einer Person: Sie kommen im Logbuch der Evolution nicht vor. Josef Aldenhoff erklärt uns amüsant und leichtfüßig, gleichwohl ernsthaft und nüchtern, worauf wir uns mit der Liebe einlassen und wie wir im Wissen um die Hindernisse lebenslang an einer guten Beziehung arbeiten können.

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