„Ich liebe dich!“: Wie wichtig sind Liebeserklärungen?

Eine Umfrage zur Wichtigkeit von Liebeserklärungen in der Partnerschaft aus dem Jahr 2014 ergab, dass es für etwa 80 % der Männer und über 85 % der Frauen wichtig oder sogar sehr wichtig ist, dass ihr:e Partner:in ihnen hin und wieder spontan sagt, dass er:sie sie liebt. Direkt ausgesprochene Liebeserklärungen spielen in Beziehungen also eine große Rolle. Warum ist das für uns Menschen so wichtig, und wann sind Taten gegenüber Worten die besseren Liebeserklärungen?

Eine Liebeserklärung gibt uns Stabilität und Bestätigung

Vor einigen Jahren kursierte ein Meme durch das Internet, das ein altes Ehepaar nebeneinandersitzend zeigte.

  • „Warum sagst du mir nicht mehr, dass du mich liebst?“, fragt die alte Dame.
  • „Ich hab’s dir einmal gesagt. Wenn sich etwas ändert, lasse ich dich das wissen.“, entgegnet er alte Herr.

Der Ausspruch ist witzig und auch irgendwie rührend, weil die Liebe zu seiner Frau für den Mann so selbstverständlich ist, dass er gar nicht darüber zu reden braucht. Doch wenn wir ehrlich zu uns sind: Die meisten von uns brauchen, um sich sicher und wohl zu fühlen, eine gewisse Bestätigung dafür, dass bestehende Verhältnisse auch wirklich stabil sind. Und genau das zeigt uns eine aufrichtige Liebeserklärung. Sie tut genauso gut und schafft ein wohliges Gefühl der Sicherheit wie die nächtliche Nachricht unseres erwachsen gewordenen Kindes, dass er:sie gut zuhause angekommen ist oder ein Telefonat mit weit entfernt lebenden Freunden, das bestätigt, dass es ihnen gut geht.

Sagen Taten mehr als Worte?

Wer „Ich liebe dich“ sagt, legt seine intensivsten Gefühle offen, und das fällt nicht allen Menschen leicht. Natürlich gibt es auch non-verbale Ausdrucksmöglichkeiten der Liebe, die dem:der Partner:in deutlich machen, dass er:sie geliebt wird. Das kann die ungeteilte Aufmerksamkeit bei einer gemeinsamen Unternehmung oder auch einfach am Frühstückstisch sein, Zärtlichkeit und Sexualität, Hilfsbereitschaft bei größeren und auch kleinsten Dingen oder das Berücksichtigen der Wünsche und Vorlieben des:der Partners:Partnerin. Wer beim Einkaufen die Lieblingsschokolade seines:seiner Liebsten mitnimmt und sich beim Wäscheaufhängen spontan dazu stellt und mithilft, hat schon zwei kleine Liebesbeweise erbracht.

Auch die allgemeine Kommunikation mit dem:der Partner:in kann sich jeden Tag wie ein Liebesbeweis anfühlen. Manche Menschen können im Idealfall mit ihrem respektvollen und achtsamen Umgang mit ihrem:ihrer geliebten Partner:in ihre Liebe äußern, ohne „Ich liebe dich“ auszusprechen. In der Realität ist leider viel zu oft das Gegenteil der Fall: Menschen lieben sich, aber können nicht entsprechend miteinander kommunizieren. Autor:innen wie Susan Gillis Chapman mit ihrem Buch „ Die fünf Schlüssel zur achtsamen Kommunikation“ oder Angela Gatterburg mit ihrem Buch „Das Geheimnis guter Kommunikation“ geben wertvolle Tipps, wie die liebevolle Kommunikation zwischen Paaren gelingt.

Dennoch, alle liebevollen Taten und eine achtsame Kommunikation in Ehren, werden die wenigsten Menschen behaupten können, dass sie komplett auf die drei ausgesprochenen Worte verzichten können. Sie sind einfach – wenn Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit aus ihnen spricht – magisch. Gerade wenn sie aus dem Mund von Menschen kommen, denen es schwerfällt, offen „Ich liebe dich“ zu sagen und die mit diesen Worten deshalb auch eher sparsam umgehen, können sie für intensive, unvergessliche Momente sorgen.

Liebeserklärungen dürfen keine leeren Worthülsen sein

Eine Liebeserklärung kann ein wunderschöner Liebesbeweis sein, aber sie darf nicht zum Freibrief werden, um den:die Partner:in ungerecht zu behandeln oder unter Druck zu setzen. Fehler lassen sich mit einem „Ich liebe dich“ nicht einfach so wiedergutmachen.

Leider werden überschwängliche Liebesbekundungen manchmal auch verwendet, um dem:der Partner:in ein schlechtes Gewissen zu machen. „Ich liebe dich so sehr“ mag dann zwar stimmen, aber geht in diesen Fällen einher mit direkten oder suggestiven Vorwürfen im Sinne von „aber du liebst mich bestimmt viel weniger, weil du nicht genug Zeit mit mir verbringst/ so viele Freunde hast/ dich für so viele andere Dinge interessierst“ und ähnliches. Es sind meist Partner:innen, die Angst haben, jemanden zu verlieren und deshalb in Beziehungen stark zum Klammern neigen, die mit ihren ehrlichen, aber Druck erzeugenden Liebeserklärungen ihrer Partnerschaft schaden oder sie sogar gefährden. Eine Liebeserklärung verliert ihren Zauber, wenn sie auf einem Vorwurf oder einer Forderung fußt.

Wer seine:n Partner:in verletzt hat, mit Worten, einem Seitensprung oder etwas anderem, kann natürlich neben einer Entschuldigung seine:ihre Liebe äußern, wenn Aufrichtigkeit dahintersteht. Wer aber andauernd Fehltritte damit wiedergutmachen oder relativieren möchte, dass er „Ich liebe dich“ sagt, missbraucht diese drei eigentlich wunderschönen Worte gewissermaßen. Fühlt sich eine Liebeserklärung noch ehrlich an und ist ein Grund zur Freunde, wenn man schon aus Erfahrung ahnt, dass der:die Partner:in ohnehin bald wieder fremdgeht, die Familie vernachlässigt oder schmerzhafte Dinge sagt?

Wohl eher im Gegenteil, und selbst wenn die Liebeserklärung gar nicht bewusst missbraucht wird, um Vorwürfe und Forderungen zu äußern oder die Gefühle des:der Partners:Partnerin ungestraft mit Füßen zu treten, so sind Liebesbekundungen, die sich schlecht anfühlen, immer ein Warnzeichen, dass sich in der Beziehung dringend etwas ändern muss. Der bessere Liebesbeweis ist dann, an sich selbst – zum Beispiel der eigenen Verlustangst oder der Unfähigkeit, treu zu bleiben – und an der Beziehung zu arbeiten.

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