Liebe und Beziehungen in der Zukunft: Mögliche Szenarien

Wie sieht die Zukunft der Liebe aus?

Liebe früher und heute

Die Welt verändert sich, Gesellschaften tun das, und so auch die Art, wie wir Menschen lieben und Beziehungen führen. In unserer Großeltern- oder Urgroßgeneration war es zum Beispiel noch vollkommen untypisch, sich scheiden zu lassen, und geheiratet hat man meist schon sehr früh. Ob man mit seinem:seiner Partner:in dauerhaft glücklich war, war hingegen zweitrangig. Homosexualität war ein großes gesellschaftliches Tabu und homosexuelle Personen oftmals zu ewiger Heimlichkeit oder Unterdrückung ihrer wahren Gefühle verdammt. Und kennengelernt hat man sich im Dorf, über Freunde oder vielleicht beim Ausgehen.

Heute hingegen wechseln Menschen ihre:n Partner:in öfter (im Durchschnitt haben wir heutzutage 3,4 Beziehungen) und legen sich erst später darauf fest, wen sie tatsächlich heiraten möchten. Eine Ehe, die wieder auseinandergeht, ist nichts Außergewöhnliches und Homosexualität gehört zu unserer Gesellschaft und wird von den meisten Menschen als etwas Selbstverständliches toleriert – wenn auch leider noch nicht von allen. Das Internet hilft uns heute in allen möglichen Lebenslagen, so auch bei der Partner:innenfindung: Laut dem SonntagsBlick Magazin lernen sich fast die Hälfte der Paare heute online kennen, so das Ergebnis einer Umfrage der Online-Singlebörse Parship.

Aber in welche Richtung geht die Liebe in den nächsten Jahren? Was sind die Entwicklungen und Trends für die Zukunft? Mit diesen Fragen hat sich der Zukunfts- und Trendforscher Matthias Horx beschäftigt, und seine Ergebnisse hat er in seinem Buch „Future Love. Die Zukunft von Liebe, Sex und Familie“ ausführlich zusammengefasst. Was sieht er auf uns zukommen?

Scheidungsraten, Hedonismus, Selbstheirat: Welche Trends in der Gegenwart zu beobachten sind

Die Scheidungsquote ist in Deutschland, wie allgemein bekannt ist, ziemlich hoch. Was aber viele nicht wissen: In den letzten Jahren sinkt sie spürbar. Während 2005 noch fast 52 % aller Ehen geschieden worden sind, waren es 2015 nur noch 41 %. Das könnte daran liegen, dass die Menschen dazu tendieren, mehr Lebenszeit dafür aufzuwenden, den:die richtige:n Partner:in zu finden. Sie heiraten später, haben davor einige Partnerschaften und letztendlich ist dann die Wahrscheinlichkeit doch wieder höher als noch in den 2000er Jahren, dass eine Ehe das restliche Leben über hält.

Aber warum wechseln Menschen überhaupt so oft ihre Partnerschaften, warum ist die große Liebe fürs Leben so selten? Das erklärt Horx mit zwei modernen Phänomenen, dem „Matching Gap“ und dem veränderten Anspruchsmodell:

Matching Gap bedeutet, dass Männer häufig früher eine Familie gründen und sich fest binden möchten, als Frauen. Wenn diese dann soweit sind, ist bei gleichaltrigen Männern die Bindungsbereitschaft aber schon wieder gesunken.

Als das neue Anspruchsmodell bezeichnet Horx das Phänomen, dass Menschen heute erwarten, dass ihre Partnerschaft ihnen sämtliche positiven Eigenschaften gleichzeitig liefert: Zum Beispiel das Gefühl, verliebt zu sein, in dem:der Partner:in auch eine:n gute:n Freund:in gefunden zu haben, eine lebhafte Sexualität, gemeinsamen Erfolg und ein harmonisches Familienleben. Wird einer der Ansprüche nicht erfüllt, sind viele Menschen bereit, die Beziehung zu beenden. Der Trendforscher bezeichnet diese Einstellung als „hedonistische Falle der romantischen Liebe“: Man übersteigert die Ansprüche an die romantische Liebe so sehr, dass sie unerfüllbar werden, und das kann auch zu Phänomenen führen, die Romantikern einen eiskalten Schauer über den Rücken jagen: So gibt es zum Beispiel den Trend zur Sologamie, also der Selbstheirat, zur Objektliebe, sprich: Wenn Menschen Objekte als ihre geliebten Partner ansehen, und zur käuflichen Liebe oder Sexualität in Form von Computersimulationen.

Die drei Zukunftsszenarien der Liebe nach Matthias Horx

Matthias Horx erachtet drei Szenarien als denkbar, die auf die Menschen und ihre Weise, Beziehungen zu führen, zukommen:

Die Techno-Erotische Transformation

Dass Menschen Roboter lieben, also faktisch die Objektliebe, kann keine wirkliche, glücklich machende Liebe werden, da sich Menschen letztendlich doch nach einer menschlichen Erwiderung ihrer Liebesgefühle sehnen. Trotzdem denkt der Trendforscher, dass es das zunehmend geben wird und dass einige Menschen sich wohl – vielleicht auch nur vorübergehend –  damit zufriedengeben.

Liquid Love

Das zweite Szenario ist, dass Menschen ihre Partnerschaften nur noch auf Zeit eingehen – also etwas, das heute schon für sehr viele Paare Realität ist. Die Liebe „fließt“ also von einer Person zur anderen. Horx weist darauf hin, dass es in Frankreich auch rechtlich inzwischen eine „Ehe light“ gäbe, den sogenannten „Pacs“. Er ist weniger starr als eine Ehe und erleichtert die Trennung, weil der Versorgungsgedanke – der heute nicht immer als zeitgemäß empfunden und gerne auch durch individuelle Eheverträge umgangen wird – viel weniger ausgeprägt ist.

Schon heute ist es weit verbreitet, sich nicht nur aufgrund des zuvor beschriebenen „Matching Gap“ bereits vor der Familiengründung zu trennen, sondern es gibt auch viele Paare, die getrennte Wege gehen, nachdem ihre Kinder aus dem Haus sind, und ihren Lebensabend nochmal mit jemand ganz anderem verbringen. Horx prognostiziert, dass sich diese Art der Beziehungsführung in der Zukunft noch verstärken könnte.

Co-Evolutionäre Liebe

Das Traummodell von Matthias Horx, sein persönlicher Favorit, ist die sogenannte „Co-Evolutionäre Liebe“ – und auch dieses Prinzip ist nicht nur Zukunftsmusik, sondern bei vielen Paaren schon Realität. Nämlich bei denjenigen, die lebenslang miteinander glücklich sind.

In diesem Szenario verschmilzt das Paar nicht ineinander, sondern jede:r erkennt seinen:ihren Partner:in trotz aller Verbundenheit als fremdes Individuum an und lässt ein gewisses Maß an Distanz zu. Jede:r der Partner:innen hat so die Möglichkeit, sich selbst immer wieder zu verändern, die Persönlichkeit wächst im Lauf der Jahre und das Paar lernt sich immer wieder neu kennen und lieben.

Horx möchte, dass die Menschen auf diese Weise Liebe mit Selbstverantwortung kombinieren, sich als Individuen verändern und reifen und es so doch schaffen, ein Leben lang zusammen zu bleiben und dabei auch glücklich zu sein.

Wenn du gerne mehr erfahren möchtest über die Zukunftsszenarien und die Trendforschung von Matthias Horx, dann lohnt es sich, den hier verlinkten Vortrag von ihm anzuhören – aus welchem auch sämtliche Zahlen und Infos stammen, die wir für diesen Artikel verwendet haben – oder gleich sein eingangs erwähntes Buch zu lesen!

Matthias Horx

Future Love

Future Love Blick ins Buch

Jetzt bestellen:

Buch

€ 19,99 [D] inkl, MwSt, | € 20,60 [A] | CHF 28,90 * (* empf, VK-Preis)

oder hier kaufen:

Wird es in naher Zukunft noch so etwas wie "normale" Familien geben? Werden die Geschlechterrollen überflüssig? Zieht sich die Liebe immer mehr in den Cyberspace zurück, wo sich die Menschen mit virtuellen Partnern vergnügen? Wie sehen künftige Partnerschaften in der mobilen, individualisierten Gesellschaft aus?

Mit seinem neuen Werk legt Matthias Horx das erste Buch vor, das sich aus Sicht der Trend- und Zukunftsforschung einem „weichen“ Thema wie der Liebe widmet. Er untersucht die Wandlungsprozesse in Familie, Liebe und Partnerschaft und entwickelt ein Panorama der kommenden Liebeskultur, das von der totalen Digitalisierung der Leidenschaft bis zur „Liquid love“ reicht, den wechselnden Partnerschaften in verschiedenen Abschnitten des Lebens. Im Zentrum steht die Frage, wie wir in Zukunft das Spannungsverhältnis zwischen individueller Selbstentwicklung und Sehnsucht nach Treue lösen.

newsletter

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.