Lobrede auf die Möse

Sophie Andresky

von Sophie Andresky

Diese Kolumne widme ich einem ganz wunderbaren Körperteil, das zu Unrecht kaum beachtet und kaum abgebildet wird: unserer Möse. Geht man durch eine Stadt, sieht man an allen Ecken und Enden Statuen von Männerkörpern, die ihre Schwänze stolz in die frische Luft hängen. Die wenigen künstlerischen Abbildungen von Vaginen kann man an zwei Händen abzählen, und wenn sie jemand porträtiert hat, sind es höchstwahrscheinlich feministische Künstlerinnen, die in irgendwelchen versteckten Sonderschauen verstauben.

Dabei ist die Möse ein Wunderwerk der Natur, das wir bewundern und dem wir huldigen sollten. Sie ist eine kompromisslose Individualistin. Jede, wirklich jede Muschi sieht anders aus. Da gibt es eben nicht nur die Kaffeebohne-Brötchen-Form, sondern ausladende Blüten, hungrige Mäulchen, kleine haarige Nester, feucht glänzende Muscheln oder große Wiesenschaumkrauthügel. Kein Sport, keine Diät kann sie in eine modische 08/15-Form zwingen, eine Möse ist, wie sie eben ist, dafür sollten wir sie feiern.

Sie schenkt uns Lust und zwar auch mehrmals nacheinander und auf verschiedene Arten. Seien es nun klitorale oder vaginale Orgasmen oder eine Kombination aus beiden, alles ist möglich. Auch dafür sollten wir sie feiern.

Aber wir schämen uns für unsere Scham. Verstecken sie hinter Anti-Cameltoe-Slipeinlagen. Verkorken sie mit Tampons, auch wenn wir gerade gar keine Periode haben. Gucken sie nicht mal richtig an. Wir malträtieren sie mit Enthaarung, Bleaching oder chemischen Produkten, damit sie nach Seife riecht statt nach Frau. Oder, besonders pervers, wir lassen sie auch noch operieren, weil wir irgendwelche Pornobilder im Kopf haben. Damit muss Schluss sein. Deshalb rufe ich hiermit feierlich zum Mösen-Solidaritäts-Tag aus und schlage folgendes Programm vor:

  • Nehmt euch einen kleinen Spiegel und guckt euch mal ganz in Ruhe an. Wo sie glänzt, wo sie haarig ist. Sie ist viel zu schön und zart, um nur gewaschen zu werden. Sie schillert rötlich violett, die Härchen sind gelockt oder glatt, ihre vielen Fältchen und Windungen sind geheimnisvoll wie ein Labyrinth.
  • Streichelt euch ausgiebig. Nicht nur zielgerichtet mit den geübten Handgriffen, die schnellstmöglich zum Höhepunkt führen, sondern richtig in Ruhe. Riecht an euren Fingern. Eine gesunde Muschi riecht nicht streng, sondern saftig und salzig wie eine Meeresbrandung. Macht eine Mösen-Wellness-Massage. Zur Entspannung oder, wenn es denn lustvoll wird, auch mit Happy End.
  • Überlegt euch einen Namen. Ihr zuckt immer zusammen, wenn ich „Möse“ schreibe? Dann ist das für euch nicht das richtige Wort. Dabei gibt es so viele. Von niedlich wie Nestchen oder Schnecke über folkloristisch wie Bitschigogerl oder Futerl, kulinarisch wie Feige, Muschel oder Auster, sachlich wie Scheide oder Vagina bis vulgär wie Fötzchen. Ich empfehle einen Blick in Ernest Bornemans Buch Der obszöne Wortschatz der Deutschen, allein darin zu schmökern macht schon Laune auf Verbalsex.
  • Stellt sie eurem Partner vor. Hat er euch jemals richtig ansehen dürfen? Bei Tageslicht? Kennt er alle Hot Spots? Weiß er, wo eure Muschi empfindlich ist wie eine Mimose und wo man sie kräftiger pressen und reiben darf?
  • Schreibt ihr einen Liebesbrief, um euch selbst klar zu machen, was für ein Wunderwerk der Anatomie ihr da habt. Ein Schatz, den man auch so behandeln muss.

In diesem Sinne: Liebe Möse, heute möchte ich dir sagen, wie froh ich bin, dass ich dich habe. Deshalb habe ich dir einen neuen Duschbrausekopf mit Massagefunktion gekauft, als Geschenk für all die schönen Momente, die wir zusammen hatten. Wir sehen uns in der Wanne!

 

Mehr von der Autorin auf www.sophie-andresky.de und in ihrem  neuen erotischen Roman:

Sophie Andresky

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In Berlin gehen die Wilden Zwanziger nie vorbei. Immer noch versammelt sich hier aller Wahnsinn der Zeit und tanzt auf dem Vulkan: Die Jünger der Elysischen Erotik, geschäftstüchtige Dominas, Pornofilm-Produzenten, Burlesque-Stripperinnen oder Masturbationsworkshops: Sie alle versammeln sich im „Elysischen Zentrum der Lust“, das die junge Georgie mit viel Leidenschaft führt. Georgie ahnt noch nicht, dass sie in einem Haus lebt und liebt, dessen Geheimnisse in die Roaring Twenties führen mit den Nackttänzen, den Hellsehern, Flüsterkneipen und der saftig-prallen Liebe jener Zeit.

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