Masturbation: Ein steiniger Weg von der Sünde zur Selbstverständlichkeit

Selbstbefriedigung: Früher Sünde, heute Selbstverständlichkeit

Kaum jemand würde heute bestreiten, dass Masturbation eine absolut gängige und vollkommen unbedenkliche, eigentlich sogar selbstverständliche sexuelle Praktik ist. Dennoch ist sie oft mit Schamgefühlen verbunden – nicht nur das Sprechen darüber, sondern auch der Akt an sich. Trotz oder auch gerade wegen der Verschwiegenheit zu dem Thema (hast du schon einmal mit jemandem darüber gesprochen oder weißt etwas von der Selbstbefriedigung deiner Freund:innen?) lässt sich vermuten, dass viele Menschen den zwar Akt physisch genießen, aber nicht psychisch, und sich vor und nach der Selbstbefriedigung für ihre Lust auf sich selbst noch immer schämen.

Religionen und Vorstellungen vergangener Jahrhunderte machten die Masturbation zu einem heiklen Thema

Diese noch verbreiteten, negativen Gefühlen gegenüber der Selbstbefriedigung hängen vermutlich damit zusammen, dass die Masturbation in der Pädagogik, Medizin und Philosophie der vergangenen Jahrhunderte in höchstem Maße schlechtgeredet worden ist, mit allerlei angeblichen negativen Auswirkungen wie Tuberkulose, Wahnsinn und Gehirnerweichung. Für uns klingt all das heute absurd, aber für Sigmund Freund war die Selbstbefriedigung sogar eine Neurose.

Außerdem ist Masturbation in den drei Weltreligionen Islam, Christentum und Judentum streng verboten und auch im Hinduismus nicht gerne gesehen. Es ist noch nicht lange her, dass religiöse Regeln die meisten Gesellschaften bestimmt haben. Manche Gesellschaften sind noch immer stark religiös geprägt.

Die lange gelehrten und verbreiteten Regeln und Vorstellungen vergangener Jahrhunderte bekommen Menschen nicht so einfach aus dem Kopf, auch wenn sie bei rationaler Betrachtung erkennen, dass sie vollkommen überholt sind und aus einer Zeit stammen, in der die individuelle Entfaltung des Individuums noch kaum eine Rolle gespielt hat. Prinzipiell galt Sex früher meist als reine Maßnahme zur Fortpflanzung.

Unsere Intimsphäre gehört heute nur uns

Doch wir leben im Jahr 2021 und wissen längst, dass Sex Menschen guttut und eben nicht nur zur Fortpflanzung da ist, sondern auch zum Genuss, zur Entspannung, zum Ausleben von Liebesgefühlen und zur Stärkung der partnerschaftlichen Bindung. Außerdem haben sich Regeln und Gesetze aus dem intimsten Bereich der Menschen – ihrer Sexualität – in den letzten Jahrzehnten verabschiedet.

Was Erwachsene mit sich selbst oder miteinander tun ist, solange alles im gegenseitigen Einverständnis und unter Ausschluss der Öffentlichkeit geschieht, heute vollkommen den Menschen selbst überlassen und das ist gut so. So haben wir das Glück in einer Zeit zu leben, in der Sexualität als etwas absolut Persönliches betrachtet wird, was weder die Gesellschaft, noch irgendwelche Instanzen etwas angeht.

Sexualtherapeuten, Ärzte, Psychologen und andere Experten sprechen heute mitnichten mehr davon, dass Selbstbefriedigung in irgendeiner Weise schädlich ist. Im Gegenteil, heute ist sie anerkannt als vollkommen harmlos, ja sogar gesund und wichtig für die Entwicklung der eigenen Sexualität. Natürlich ist und bleibt sie wohl das Persönlichste, was wir im Leben haben und niemand muss darüber sprechen, wenn er oder sie nicht möchte – aber wichtig ist, dass du sie genießen kannst und all die altmodischen und religiösen Vorstellungen von Sünde, Krankheit, Unreinheit und Scham hinter dir lässt. Wenn dir das noch schwerfällt, können dir unsere vier Gründe für Selbstbefriedigung vielleicht dabei helfen, bei der Lust mit dir selbst besser abschalten zu können.

Vier Gründe, warum Selbstbefriedigung gut und wichtig ist

Masturbation ist entspannend und deshalb auch gesund

Ein Orgasmus löst viel Positives in dir aus: Deine Muskeln entspannen sich nach den lustvollen Kontraktionen, es werden Botenstoffe wie Serotonin, Dopamin und Oxytocin im Gehirn ausgeschüttet. Sie alle sorgen für positive Emotionen: Glück, Euphorie, Ruhe, Befriedigung. All diese Gefühle erzeugt ein Orgasmus natürlich auch dann, wenn du ihn selbst mit deiner Hand oder einem Gegenstand herbeigeführt hast. So baust du Stress ab und förderst durch regelmäßige Entspannung und Glücksgefühle dein psychisches Wohlbefinden und auch deine physische Gesundheit – denn Stress und ein Mangel an Entspannung sind für unseren Körper bekanntermaßen Risikofaktoren für Krankheiten. Damit du nach der Selbstbefriedigung auch wirklich entspannt und glücklich bist, ist es wichtig, dass du deinen ganz persönlichen Orgasmus genießen kannst, weil du dich nicht insgeheim schämst.

Beim Masturbieren lernst du deinen Körper und deine sexuellen Vorlieben kennen

Gerade die weiblichen Sexualorgane, die Vulva und die Vagina, liegen im Verborgenen und als Frau hast du kaum eine Chance, diese Organe wirklich kennenzulernen, wenn du sie nicht bewusst erkundest, berührst und dir im Spiegel anschaust. Doch ist es nicht spannend, interessant und wichtig zu wissen, was den eigenen Körper ausmacht? Durch Selbstbefriedigung lernst du, welchen Effekt welche Berührung auf welche Stelle hat, wie deine Geschlechtsorgane aussehen und sich bei Erregung optisch verändern (wenn du dich dabei beobachtest) und natürlich auch, welche weiteren Körperstellen erogen sind welche Berührungen dir wo besonders gut gefallen.

Durch Selbstbefriedigung hast du die Chance auf lustvolleren Sex

Diese Erkenntnisse kannst du nutzen, um besseren und lustvolleren Sex mit deinem:deiner Partner:in zu haben. Wenn du weißt, was dir gefällt, kannst du ihm:ihr das sagen oder es ihm:ihr durch nonverbale Kommunikation beim Liebesspiel mitteilen. Du kannst dich entsprechend verhalten und positionieren. Außerdem hast du beim Masturbieren die Möglichkeit, das Hinauszögern des Orgasmus für ein längeres und intensiveres Lusterlebnis zu üben.

Mit der Hand an oder in deinen Geschlechtsorganen bekommst du auch einen interessanten Eindruck von den Sinneseindrücken deines:deiner Partners:Partnerin und kannst dir besser vorstellen, wie es sich für ihn:sie anfühlt, dich zu befriedigen.

Beim Masturbieren kannst du ganz du selbst sein und hast maximale Kontrolle

Wenn du dich selbst befriedigst, gibt es keinen Leistungsdruck und du kannst ganz du selbst sein. Es ist egal, wie du gerade aussiehst, denn niemand sieht dich. Es ist egal, wie schnell du kommst, weil niemand darüber enttäuscht sein kann. Du hast über den Sexualakt mit dir selbst die vollkommene Kontrolle – nur du entscheidest, welche Bewegungen du machst, welche Körperstellen du berührst, welche Hilfsmittel du verwendest, ob und was du zu benutzt, um dich zu erregen und wann und wie oft du es tust. Du kannst experimentieren wie du willst und alles ausprobieren, was dich reizt und interessiert – selbst wenn es dir (noch) zu heikel ist, das mit deinem:deiner Partner:in zu tun. Wenn du ein wenig Inspiration suchst für maximalen Spaß mit dir selbst, dann gibt es sogar Expertenrat: Die bekannte Erotikautorin Sophie Andresky gibt dir in ihrem Buch „Enjoy yourself“ zahlreiche Tipps (wie Sextoys, Pornos, erotische Literatur, interessante Ideen) nicht nur, aber auch für eine lustvolle Masturbation.

Sophie Andresky

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Vorbildlich ist, wenn eine junge Frau ihre Selbstbefriedigung öffentlich besingt

Noch ein ermutigender Fakt zum Schluss: Die Popsängerin Britney Spears hat den weit verbreiteten Ruf, oberflächlich zu sein und belanglose Lieder zu singen. Dabei hat sie im Jahr 2003, im zarten Alter von 21 Jahren, einen sehr mutigen und sinnlichen, selbstgeschrieben Song veröffentlicht. Dieses Lied mit dem Titel „Touch of my hand“, das Britney ihrem Millionenpublikum, darunter natürlich unzähligen jungen Mädchen präsentierte, steckt voller Selbstliebe und handelt von einem offenen, selbstbewussten und genüsslichen Umgang mit Masturbation. Wir finden das toll, mutig, fortschrittlich und vor allem vorbildlich, dass sich die junge Britney schon vor fast 20 Jahren getraut hat, mit diesem Tabu zu brechen und ihren Fans so einen liebevollen Umgang mit ihrem Körper ans Herz zu legen.

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