Nicht mehr zeitgemäß: Dieses Dating-Verhalten ist out

Das ist beim Dating nicht mehr zeitgemäß

Schon vor Jahren hat das Internet die Partnerfindung komplett auf den Kopf gestellt. Viele Menschen lernen potenzielle Partner:innen heute online kennen und treffen sich dann zu einem ersten Date, um zu testen, ob es funkt. Ganz früher hat man natürlich überhaupt nicht gedatet. Die Geschichte des Datings beginnt am Anfang des 20. Jahrhunderts, als Frauen alleine in die Städte aufbrachen, um dort ein erfülltes Leben zu suchen. Wenn du gerne erfahren möchtest, wie Dating früher ablief und wie es sich im Lauf der Jahrzehnte entwickelt hat, solltest du einen Blick in Moira Weigels ausführliches Werk „Dating. Eine Kulturgeschichte“ werfen, eine spannende Zeitreise durch das Phänomen der Datings.

Heute jedenfalls gibt es zahlreiche moderne Apps fürs Dating, aber wenn es dann zum ersten Treffen kommt, gibt es noch immer ein paar Verhaltensweisen, die sich hartnäckig halten und für Missverständnisse und negative Gefühle sorgen, obwohl sie eigentlich längst nicht mehr zeitgemäß sind. Also: Wenn auch du noch an den folgenden Grundsätzen festhältst, wird es Zeit, ihnen allmählich „Lebe wohl“ zu sagen.

Der Mann muss bezahlen

Seit Jahrzehnten kämpfen Frauen für Gleichberechtigung und sind noch immer nicht ganz am Ziel – auch wenn sehr viel schon erreicht ist. Doch beim Bezahlen nach dem ersten Date bestehen viele Frauen (und Männer) dennoch auf das klassische Rollenbild: Der Mann zahlt, die Frau lässt sich einladen. Warum eigentlich? Wenn man über diese Frage nachdenkt, merkt man schnell, dass es dafür eigentlich keine sinnvolle Begründung gibt. Am neutralsten und am wenigsten missverständlich ist eine Situation, in der jede:r erst einmal für sich zahlt. Als Frau solltest du deshalb einem Mann, der dir nicht anbietet, für dich zu zahlen, nicht böse sein. Das hat nichts damit zu tun, dass er nicht an dir interessiert ist. Viel eher möchte er dir vielleicht nicht auf die Füße treten und legt sehr viel Wert auf Gleichberechtigung.

Schwere Themen gehören nicht ins erste Date

Damit ja keine Konflikte aufkommen, sind noch immer viele Leute der Meinung, schwere Themen wie Religion, Politik, Umweltprobleme und Ähnliches gehörten nicht ins erste Date oder sogar in die Kennenlernphase eines Paars. Aber warum nicht? Das sind alles wichtige Dinge. Politisch und hinsichtlich der Umwelt läuft auf unserer Welt jede Menge schief, was diskutiert gehört. Viele Themen spalten die Gesellschaft und über Religion haben viele Menschen sehr starke Meinungen von absoluter Ablehnung bis hin zu intensiver Angehörigkeit zu einer bestimmten Religion. Ist es nicht wichtig, frühzeitig zu erfahren, ob ihr bei bestimmten Themen ähnlich tickt? Wenn ja, kann das zusammenschweißen und einige Dinge, die dich vorher eventuell gestört hätten, geraten in den Hintergrund, wenn ihr zum Beispiel dieselbe Partei wählt oder euch dieselben politisch-gesellschaftlichen Themen umtreiben. Andererseits habt ihr die Möglichkeit, schnell zu merken, wenn ihr so gar nicht auf einer Wellenlänge seid, und das Kennenlernen frühzeitig abzubrechen.

Man muss/darf erst beim dritten Date Sex haben

Wo kommt eigentlich der Mythos noch einmal her, Sex passe am besten zum dritten Date? Wenn es vorher schon zu Sex kommt, wirkt eine Frau wie eine „leichte Beute“ – das ist einmal mehr ganz weit weg von Gleichberechtigung. Und wenn beim dritten Mal immer noch nichts läuft, soll das schon zu lange dauern und die Frage aufwerfen, ob das überhaupt irgendwann einmal etwas wird. Was ist dann mit all den Menschen, die jemanden gerne etwas näher kennenlernen möchten, bevor sie sich vor ihm:ihr ausziehen und derartig intim werden? Beim dritten Date kann noch kaum die Rede davon sein, sich gut zu kennen.

Egal, in welche Richtung man denkt, eigentlich ist die Sex-beim-dritten-Mal-Regel Quatsch. Sex haben dein Date und du am besten dann, wenn ihr Lust darauf habt und es sich für beide gut und passend anfühlt – beim ersten Mal, beim dritten Mal, beim zehnten Mal oder wann auch immer. Wenn es dir wichtig ist, erst einmal keinen Sex zu haben, sondern sich sehr langsam näher zu kommen, kannst du das nach den ersten Treffen so kommunizieren, so vermeidest du Missverständnisse und peinliche Situationen.

Man muss den:die Datingpartner:in zappeln lassen

Auch diese Verhaltensweise hält sich in unseren Köpfen hartnäckig, auch wenn wir längst wissen, dass sie Quatsch ist und von uns etwas verlangt, was wir eigentlich gar nicht wollen. Du hattest ein Date, es war schön. Du hast vielleicht sogar schon Schmetterlinge im Bauch und freust dich auf das nächste Treffen. Doch du kontaktierst dein Date nicht, denn die Regel besagt ja, du musst ihn:sie „zappeln“ lassen. Vor allem Frauen wird das nach einem Date mit einem Mann empfohlen. Ziel des Verhaltens: Die Frau soll sich als schwer zu haben präsentieren, damit der Mann sich anstrengt. Viel natürlicher ist es aber, dem Herzen zu folgen und das zu tun, wonach dir ist. Wenn dir das Date gut gefallen hat, dann sag das doch deinem Gegenüber und vereinbare ein nächstes Treffen. Was spricht dagegen, ehrlich zu sein zu der Person, die dir so gut gefällt? Wenn er:sie wirklich so ist, wie dein erster Eindruck dir vermittelt hat, wird er:sie auch ehrlich sein, deine offene Zuneigung zu schätzen wissen und verantwortungsvoll damit umgehen – selbst wenn er:sie nicht interessiert sein sollte. Und wenn nicht, hat er:sie dich eh nicht verdient. Eine spannende Abhandlung über die Tugend der Ehrlichkeit, die beim Dating leider viel zu oft vernachlässigt wird, haben übrigens Simon Biallowons und Thomas Schwartz verfasst. Sie hört auf den schlichten Namen „Ehrlichkeit. Eine zeitgemäße Tugend“.

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