Runter vom Sofa und rein ins Abenteuer

Sophie Andresky

Überraschung! Ausflüge, die das Sexleben mit dem Partner anheizen, müssen nicht unbedingt etwas mit Erotik zu tun haben.

Natürlich kann man sich in einem verlotterten Stundenhotel einmieten und „der Spion und das Freudenmädchen“ spielen, man kann ohne Höschen essen gehen und sich über Filet Wellington und Crème brûlée im Detail erzählen, wie man sich hinterher die Kleidung vom Leib reißen wird. Man kann im Wald parken, hoffen, dass weder Förster noch Mückenschwärme unterwegs sind, und es im Freien treiben. Oder aber man trifft sich rein zufällig im Sexshop und baggert sich gegenseitig an.

Das kann alles lustig sein und im besten Fall sogar lustvoll. Es hat aber schnell was von Theater. Außerdem sind die Steigerungsmöglichkeiten begrenzt. Was soll nach dem Quickie in der Fotofix-Kabine und dem Dreier im Swingerclub an Thrill noch kommen?

Ich glaube, dass nichts eine langfristige sexuelle Beziehung so frisch hält wie echte Intimität und ein bisschen Kitzel. Und da kommen die sexfreien Ausflüge ins Spiel. Eine neue Liebe ist ja deswegen so spannend, weil alles überraschend ist und weil man vieles gemeinsam neu entdeckt. Das schweißt zusammen. Und das ist, denke ich, ein Geheimnis von Paaren, die sehr lange glücklich miteinander sind: immer wieder Dinge zum ersten Mal miteinander zu erleben. Das kann etwas Sexuelles sein, eine neue Spielart, ein neues Toy, ein neuer Ort. Es kann aber auch ein gemeinsames Abenteuer sein, das sich im ersten Moment gar nicht erotisch anfühlt, wie zum Beispiel House Running, sonst irgendetwas Sportliches oder einfach etwas, das man noch nie getan hat. Im Improvisationstheater aufstehen und mitspielen. Eritreisches Essen probieren. Einen Tag lang „ja“ sagen zu allem, was der Partner vorschlägt.

Im letzten Jahr gab es bei mir zwei kleine Abenteuer, nach denen ich mich wie frisch verliebt gefühlt habe. Einmal waren wir ganz banal und eher zufällig in einem Laden, der Fischpediküre anbietet. Man setzte uns mit den Füßen im Aquarium ins Schaufenster, wo wir die ganze Zeit gekichert und gegiggelt haben, weil es so gekitzelt hat und weil es so lustig aussah. Das hatte nur wirklich gar nichts mit Sex zu tun, machte aber so unglaublich viel Spaß, dass wir es anschließend die halbe Nacht gefeiert haben. Ein anderes Mal wir waren zu einer Krimilesung in einem S/M-Swingerclub. Der Krimi war grauenvoll, aber die Räume und die Swinger, die sich am Paddel-Tresen Gerten und Peitschen liehen, die Klatsch-und Aua-Geräusche aus den Spielräumen und die Apparaturen, die überall herumstanden, waren schon sehr inspirierend. Und obwohl wir beide überhaupt nicht auf S/M stehen, hat uns die Situation so heiß gemacht, dass wir zu Hause übereinander hergefallen sind.

Gemeinsam zu lachen, das Herz bis zum Hals klopfen zu fühlen, ganz rote Wangen zu haben vor Aufregung, sich immer wieder erzählen zu müssen, wie es sich angefühlt hat, die gemeinsame Erinnerung daran wie einen Schatz zu hüten – das verbindet so sehr, dass sich die Lust auf Sex dann auch sehr oft einstellt und man das gemeinsame Erlebnis mit fröhlichem Gevögel abrunden möchte.

Also: runter vom Sofa und rein ins Abenteuer! Möglicherweise fängt es in der Fotofix-Kabine an und endet im Bett!

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