So streitet ihr richtig

So streitet ihr richtig

Alle Paare streiten – denn dort, wo große Nähe besteht, wo die Menschen ganz sie selbst sein und auch ihre Schwächen ausleben können, wo viel Zeit miteinander verbracht wird und wo immer wieder Entscheidungen getroffen werden müssen, ist das Konfliktpotenzial natürlich am höchsten. Deshalb streiten Menschen meist mit jenen Personen am häufigsten, die ihnen zugleich am nächsten stehen, und das sind neben den eigenen Kindern, Eltern und Geschwistern auch die Partner:innen.

Es gibt vieles, was in einer Beziehung zum Streitthema werden kann: Dinge, die das alltägliche Leben betreffen wie unterschiedliche Vorstellungen von Sauberkeit oder davon, wer wann was im Haushalt macht oder was auf den Tisch kommt. Außerdem grundlegende Dinge wie die Kindererziehung, das Konsumverhalten oder der Umgang mit anderen Menschen. Auch unterschiedliche politische Ansichten oder Meinungen zu bestimmten gesellschaftlichen oder auch persönlichen Themen können zu Streit führen.

Selbst wenn du es absolut nicht leiden kannst, mit deinem:deiner Partner:in zu streiten und du am liebsten im harmonischen Dauerfrieden leben würdest, wirst du an der einen oder anderen Auseinandersetzung sehr wahrscheinlich nicht vorbeikommen. Aber auch wenn ein Streit sich nie gut anfühlt, muss er nicht gleich toxisch sein und der Beziehung schaden. Er kann euch auch helfen, miteinander zu wachsen, euch besser kennenzulernen und einander besser zu akzeptieren, selbst wenn ihr bei manchen Dingen nie einer Meinung sein werdet. Damit ein Streit aber konstruktiv sein kann und am Ende einen positiven Effekt hat, solltet ihr einige Regeln befolgen.

  1. Kein Streit vor Publikum
    Wenn du in der Öffentlichkeit oder – noch schlimmer – im Beisein von Familienangehörigen oder Freunden einen Streit beginnst, treibst du deine:n Partner:in in die Enge und stellst ihn:sie bloß, und auch die anderen Menschen werden von der unangenehmen Situation peinlich berührt sein. Um zu vermeiden, dass der Streit von solchen negativen Emotionen wie Scham noch verschärft wird, solltet ihr immer nur streiten, wenn ihr zu zweit seid. Selbst dann, wenn dein:e Partner:in dich jetzt im Moment sehr ärgert, halte deinen Ärger zurück und halte deine Standpauke später. Auch vor euren Kindern solltet ihr nicht streiten, denn das belastet und verunsichert sie.
  2. Keine Beleidigungen
    Klar, beim Streit brodeln die Emotionen. Aber so aufgewühlt du auch bist, vermeide Beleidigungen und Kränkungen. Auch dein:e Partner:in ist gerade sehr emotional und deshalb besonders verletzlich. Gerade jetzt können gemeine Aussagen und Wörter mitten ins Herz treffen und Wunden verursachen, die für immer Narben hinterlassen. Bleib mit deinen Aussagen beim Streitthema, anstatt mit Beleidigungen um dich zu werfen, die nur die Persönlichkeit deines:deiner Partners:Partnerin angreifen, aber mit dem Auslöser des Streits nichts zu tun haben.
  3. Keine Übertreibungen
    „Nie hörst du mir zu!“ – „Immer ist dir etwas anderes wichtiger!“ – „Ständig muss ich dir alles hinterher räumen!“
    Solche Aussagen entsprechen in der Regel nicht der Wahrheit, denn Wörter wie „nie“, „immer“, „ständig“, „andauernd“ und so weiter sind Übertreibungen, die deinem:deiner Partner:in höchstwahrscheinlich nicht gerecht werden. Natürlich fühlt sich dein:e Partner:in dann umso mehr angegriffen und ungerecht behandelt und der Streit droht zu eskalieren.
  4. Beim Thema bleiben
    Verliere nicht den Fokus auf das eigentliche Streitthema, indem du alte Konflikte wieder hervorholst oder die ganze Beziehung infrage stellst. Das überfordert euch beide und am Ende wisst ihr vielleicht gar nicht mehr, weswegen ihr euch überhaupt gestritten habt. Das macht es natürlich auch schwer, den eigentlichen Konflikt zu lösen. Auch er wird dann irgendwann bei einem ganz anderen Streitthema wiederaufgetaut werden und die Lösung eines anderen Problems verhindern. Ein Teufelskreis, in den ihr gar nicht erst geraten solltet!
  5. Entschuldigungen annehmen und verzeihen
    Jeder macht Fehler und auch wenn dein:e Partner:in sich wirklich mies benommen und dich verletzt hat: Wenn er:sie sich aufrichtig entschuldigt, nimm seine:ihre Entschuldigung an und verzeihe ihm:ihr. Wenn in dir noch eine Rest-Wut bleibt, wirst du sie mitnehmen in den nächsten Streit und vielleicht deshalb aus einer Fliege einen Elefanten machten.
  6. Die eigenen Fehler eingestehen
    Niemand ist unfehlbar, und auch du hast irgendwo Fehler gemacht oder gewissenmaßen zum Konflikt beigetragen. Deshalb ist es wichtig, dass du die Schuld nicht nur deinem:deiner Partner:in zuschiebst, sondern auch eigene Fehler eingestehst und bereit bist, dich ehrlich für sie zu entschuldigen. Eine liebevolle Beziehung kann nur funktionieren, wenn beide in der Lage sind, ihr Verhalten zu reflektieren und ihre Fehler einzugestehen.

Streiten will gelernt sein! Es gibt einiges an Literatur zum Thema Streit, die du lesen kannst, wenn es dir schwerfällt, konstruktiv zu streiten.
„Schöner streiten“ von Berit Brockhausen richtet sich explizit an Paare.
• Frank Naumann gibt mit seinem Buch „Die Kunst des Streitens“ Tipps für sämtliche Streitsituationen, ob in der Partnerschaft, in der Freundschaft oder im Berufsleben.
• Stephanie Schneider befasst sich mit Familienkonflikten. In ihrem Buch „Der kleine Streitberater“ geht es um Streit zwischen Eltern, zwischen Geschwistern und zwischen Eltern und Kindern.

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