Tabubrüche im Bett

Sophie Andresky

Tabulos zu sein, so lese ich das ständig in Frauenzeitschriften, sei praktisch eine Grundvoraussetzung für ein Leben als Sexgöttin. Das ist Quatsch. Tabus haben mit Verklemmung nichts zu tun. Tabus sind Bojen im Meer der Erregung, wo Freude in Frust umschlägt. Sie sind lebensrettend für die Lust.

Deshalb sollte man genau wissen, wo sie sich befinden, denn dann kann man, wenn man möchte, vorsichtig näher schwimmen. Es bringt nichts, sich zu etwas zu zwingen, nur um ein Tabu zu brechen, schon gar nicht, wenn es einem selbst gar nichts bedeutet und man es nur dem Partner zuliebe versucht, oder weil man eine schlechte Liebhaberin zu sein glaubt. Im Gegenteil: Wenn man seine eigene Grenzen nicht ernst nimmt oder vielleicht nicht kennt und plötzlich feststellt, das gefällt mir ja gar nicht, das stört mich oder ekelt mich an, dann kann das nachhaltig Schaden anrichten und sorgt keinesfalls für sexuelle Befreiung.

Bei mir zum Beispiel ist Analsex ein Tabu. Ich möchte das nicht und werde es niemals ausprobieren. Fingern ja, Massagen gern, und auch gegen einen Klaps ab und zu habe ich nichts einzuwenden, aber dann ist auch Schluss.

Tabubrüche sind trotzdem eine schöne und wichtige Sache: Erstens bringt einen das Nachdenken über die eigenen Tabus dazu, sich mit seiner Sexualität auseinanderzusetzen, und das ist immer gut, denn je besser man sich selbst kennt, desto mehr Spaß hat man. Und es kann unglaublichen Spaß machen, die eigenen Grenzen vorsichtig auszudehnen. Nicht nur, dass der sexuelle Horizont danach weiter ist, das Austesten selbst ist schon kribbelig.

Das brauchen gar keine großen Sachen zu sein. Ich muss nicht nackig durch die Fußgängerzone rennen, nur um krampfhaft irgendein Tabu zu brechen – das wäre nicht lustvoll, sondern idiotisch.

Es reicht beispielsweise, das Licht mal anzulassen, wenn man es bisher immer im Dunkeln getrieben hat, im Sommer ohne Höschen loszugehen oder dem Partner das Spielzeug in die Hand zu drücken, das man alleine schon lange benutzt.

Überraschungen in der Liebe, und wenn sie noch so klein sind, wirken wie eine Verjüngungskur. Sie beflügeln und sorgen für die berühmten Schmetterlinge im Bauch. Und besonders aufregend wird es, wenn mich der Mensch überrascht, der mich am besten kennt: ich selbst. In diesem Sinne: Boje voraus!

Mehr von der Autorin auf www.sophie-andresky.de

Dirty Talk
Frauen und Porno

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.