Urlaubssex

Sophie Andresky

von Sophie Andresky

Gibt es etwas Heißeres als Hotelsex? Mir fällt nicht viel ein, das ich schärfer finde. Der Alltag ist weit weg, die Pflichten auch, am Büffet gibt es Kohlenhydrate, und schon zum Frühstück wird Prosecco serviert, man hat endlich mal so richtig Zeit für den Partner und füllt den Tag nur mit Dingen, die Spaß machen, das ist doch alles sehr libidofördernd. Gleichzeitig ist Urlaub ein schwieriges Thema, denn immerhin ein Fünftel aller Paare trennen sich ausgerechnet zwischen Hot Stone Massage und Limbokurs.

Das klingt beängstigend. Ich finde aber:

Ist nach den Ferien der Ofen aus, war sicher nicht der Urlaub daran schuld, dann stimmte vorher schon etwas nicht. Ich habe mir mal direkt auf der Anreise das Schienbein gebrochen, und mein erstes Ziel nach dem Einchecken im Hotel war weder Pool noch Bar, sondern die örtliche Orthopädie, wo mir ein Gips verpasst wurde. Außerdem regnete es zwei Wochen ununterbrochen. Aber es war ein superschöner Urlaub, in dem wir viel gelacht haben, und, ja, vögeln kann man auch mit Gipsbein.

Irgendetwas scheint am Strand oder beim Bergsteigen mit der Liebe zu passieren: Sie intensiviert sich, oder sie verschwindet glutrot am Horizont wie die Sonne vor Barbados. Hat man plötzlich viel mehr Zeit miteinander, hat man eben auch viel mehr Gelegenheit, zu merken, was für ein Depp der Partner ist. Kommen dann noch unrealistische erotische Erwartungen dazu, wird es knifflig. Ein Partner, der daheim in Buxtehude leckt wie ein müder Basset, wird nicht im Urlaub plötzlich zum Cunnilingus-Chamäleon. Und wieso sollte er im Hotelzimmer die ganze Nacht lang vögeln, wenn er die dreieinhalb Minuten zu Hause ganz prima findet? Aber dies ist ja eine Kolumne über Liebeslust und nicht über Beziehungsfrust, also hier die Tipps für einen sexy Aufenthalt:

  • Ein Urlaubsziel wählen, wo beide wirklich hinwollen und das auch nicht zu spannend für Sex ist. Klingt abwegig, gibt’s aber. Für mich war das New York. Die Stadt ist so dermaßen spannend, morgens wollten wir nur raus aus dem Bett, tagsüber waren wir immer zu weit weg vom Hotel für eine kleine Nummer, und abends lagen wir völlig fertig vom Sightseeing unter der Bettdecke. In New York hatte ich den wenigsten Sex meines Lebens.
  • Für intensive Vögelerlebnisse eignet sich vor allem Wellness-Urlaub, da ist man entspannt, wird den ganzen Tag gestreichelt und massiert, hat meistens nicht viel mehr an als einen flauschigen Bademantel, und Kinder reisen selten mit ins Spa.
  • Bei der Hotel-/ Zimmerauswahl schon an Sex denken. Gibt es eine Suite mit Dachterrasse, auf der man ungesehen übereinander herfallen könnte? Ist die Badewanne für zwei Personen ausgelegt? Steht ein Videosystem im Zimmer?
  • Nur wer sexy Dinge einpackt, kann auch sexy Dinge auspacken. Ich empfehle natürlich erotische Romane. Aber auch Filme, Dessous, Sachbücher, Massageöl oder neues Spielzeug. Das muss der Partner gar nicht vorher wissen, Überraschungen sind ja an sich schon kribbelig. Eine Sextoyfirma hatte mir mal ein Paket geschickt mit neuen Gerätschaften, die ich testen sollte und die wir erst im Zimmer aus dem Karton geholt haben. Nicht alles war super-orgasmisch, aber viel gesehen vom Ort haben wir auch nicht.
  • Schreibt erotische Wünsche auf kleine Zettelchen und werft sie ins Urlaubswunschschwein. Das muss nicht gleich der S/M-Dreier mit dem Skilehrer sein, Kleinigkeiten sind auch heiß: eine Viertelstunde knutschen wie die Teenager zum Beispiel oder heimlich im Hamam fummeln. Lange Nylonstrümpfe beim Sex tragen, ohne Höschen tanzen gehen oder abends auf dem Balkon vögeln, wenn die Nachbarn am Büffet stehen.

Vor allem aber sollte man sich den Reisepartner genau ansehen. Finde ich ihn heißer als Fajitas und berauschender als Mojitos? Prickeln seine Küsse auf meiner Haut wie Whirlpooldüsen? Bin ich mit ihm zu Hause, auch wenn ich gerade einen zehnstündigen Flug hinter mir habe? Dann ist es der Richtige, und einem heißen Urlaub steht nichts mehr im Wege.

 

Mehr von der Autorin auf www.sophie-andresky.de und in ihrem  neuen erotischen Roman:

Sophie Andresky

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