„Entscheide du“: Warum einige Männer auf dominante Frauen stehen

Warum stehen manche Männer auf dominante Frauen?

Wer sollte in einer Beziehung eigentlich das Sagen haben – oder sollte überhaupt irgendwer das Sagen haben? Kann eine Beziehung glücklich sein, wenn eine:r von beiden Partner:innen sich unterordnet?

In einer aufrichtigen Liebesbeziehung müssen sich beide (oder alle) Beteiligten auf Augenhöhe begegnen – für unterdrückende oder missbräuchliche Verhaltensweisen wie Kontrolle, Zwang, Verbote oder Ähnliches ist in einer Partnerschaft definitiv kein Platz. Wer sich unterdrückt fühlt, ist in aller Regel in einer toxischen Beziehung gefangen.

Das heißt aber nicht, dass alle Entscheidungskompetenzen immer 50:50 aufgeteilt werden – sehr viele Paare leben da in einer Situation der Ungleichheit, ohne dass sie damit unglücklich sind oder eine:r von beiden sich benachteiligt führt. In heterosexuellen Beziehungen sind es häufig Männer, die sich gerne zurücklehnen, ihre Partner:in die Beziehung gestalten lassen und dennoch glücklich sind. Das fand eine amerikanische Studie der University at Buffalo heraus.

Sie entscheidet dann vielleicht, wo Urlaub gemacht wird, mit wem und wann Treffen stattfinden, was die Eltern und Schwiegereltern zu Weihnachten bekommen, wer welche Aufgaben in der Beziehung übernimmt und womöglich sogar, wann die Hochzeitsglocken läuten und es Zeit für Kinder wird.

Wie kann es sein, dass der sich unterordnende Mann sich nicht benachteiligt fühlt?

Wie kann ein Mann, der sämtliche Entscheidungen, die die Partnerschaft und alles drum herum betreffen, der Frau überlässt, denn überhaupt glücklich sein, wird sich jetzt manch eine Frau oder auch manch ein Mann fragen. Doch es macht schon Sinn, dass manche Personen sich mit einer solchen Situation äußerst wohl fühlen.

Schließlich bedeuten Entscheidungen Arbeit und Verantwortung. Man muss überlegen, abwägen, womöglich auch recherchieren. Da klingt es plötzlich gar nicht mal so schlecht, wenn eine kompetente, kluge Partnerin diese Herausforderungen übernimmt und am Ende gute Entscheidungen präsentiert: Mann kriegt einen schönen Urlaub, seine Eltern freuen sich über passende Geschenke, seine sozialen Kontakte funktionieren wie ein Selbstläufer und irgendwann ist er plötzlich verheirateter Familienvater.

Dass vor allem Männer sich gerne ihr Leben so gestalten und vorschreiben lassen, könnte, so das Ergebnis der erwähnten und verlinkten Studie, daran liegen, dass Männer in der Gesellschaft noch immer Privilegien haben. Da fühlen sich viele von ihnen ohnehin in einer gewissermaßen gehobenen Stellung gefestigt und haben kein Problem damit, das Beziehungszepter der Frau zu übergeben. Es kratzt nicht an ihrem Selbstbewusstsein.

Dominanz kann okay sein, Unterdrückung nicht

Auch eine Beziehung, die von einer der beiden Personen dominiert wird, muss auf Augenhöhe bleiben. Wenn sich zum Beispiel beide damit wohl fühlen, dass die Frau fast alle Entscheidungen trifft und sie ihrem Partner fertig präsentiert, ist das auch eine gewisse Form von Augenhöhe: Beide befinden sich in einer Position, die sie gerne haben möchten.

Nimmt das aber Ausmaße an, die den passiven Partner in eine Position der Unterwerfung drängen – muss er zum Beispiel seine Hobbys aufgeben oder Freundschaften beenden, weil sie der Partnerin nicht „in der Kram“ passen, muss er Dinge tun, die ihm unangenehm sind – dann ist da definitiv zu viel Dominanz im Spiel. Der passive Partner fühlt sich nicht mehr wohl, und das gilt sicherlich für passive Männer ebenso wie für passive Frauen.

Es gibt aber auch die andere Form der „Unterdrückung“, die weniger offensichtlich ist: Entscheidungen bedeuten, wie gesagt, Arbeit und Verantwortung. Lädt ein Mann die ganze Beziehungsarbeit auf seiner Partnerin ab und lässt sich durchs Leben führen, möchte die Lebensgestaltung wie auf dem Serviertablett präsentiert bekommen, kann das ganz schön viel Druck auf einem einzigen Schulterpaar sein. Auch der entscheidungsfreudigsten, dominantesten Frau kann das unter Umständen zu viel werden und sie wird sich früher oder später etwas Unterstützung und Beistand bei wichtigen Entscheidungen wünschen, anstatt das Leben für zwei Menschen (oder drei, vier und mehr, wenn dann auch mal Kinder da sind) alleine zu organisieren.

Mit Liebe und Achtung voreinander finden Paare ihren individuellen Weg

Menschen, ob Mann oder Frau, sind verschieden und haben auch individuelle Bedürfnisse. Die einen möchten ihr Leben und ihre Partnerschaft aktiv planen und gestalten, die anderen lassen sich gerne führen und gehen mit. Wieder andere möchten bestimmte Bereiche aktiv gestalten, während sie sich in anderen lieber führen lassen.

Jedes Paar muss seinen eigenen Weg finden, es gibt unzählige davon. Richtig ist jeder Weg, der alle Beteiligten glücklich macht. Mit echter Liebe, Achtung voreinander und natürlich ehrlicher Kommunikation sollte das eigentlich machbar sein – denn niemand, der:die seinen:ihren Partner:in liebt, möchte, dass er:sie sich vollkommen aufgibt oder viel zu schwere Lasten auf seinen:ihren Schultern tragen muss.

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  1. Besser wenn dame bestimmt

    Michael Veröffentlicht am Antworten
    1. Find ich gut

      Gerhard Veröffentlicht am
  2. Hallo ich finde das Frauen gegenüber Männern nicht dominieren sollten .Es sollte auf Augenhöhe sein.Bei allen anderen sachen gibts nur streit und Verlierer.

    Turban eveline Veröffentlicht am Antworten