Wie funktioniert Tantra Sex?

Habt ihr Tantra schon mal ausprobiert?

Tantra ist ein Begriff aus der indischen Religion und Philosophie, der im Westen hauptsächlich im Zusammenhang mit Sexualität fällt. Übersetzt bedeutet er „Gefüge“, „Zusammenhang“ oder „Verknüpfung“ und genau darum geht es: Beim Tantra Sex werden nicht nur das Männliche und das Weibliche miteinander verknüpft, sondern auch das Weltliche mit dem Spirituellen. Denn in der Tantra-Lehre ist Sex nicht nur ein körperlicher und emotionaler Akt, sondern auch ein Mittel zur Bewusstseinserweiterung.

Die tantrische Weltanschauung

Das Ziel der Tantra-Lehre ist ein glückliches Leben, und ein solches Lebensglück entsteht laut tantrischer Philosophie dann, wenn der Mensch seine individuelle Energie mit der Energie des Universums verschmelzen kann, sodass sie ineinanderfließen. Die Voraussetzung dafür ist eine Bewusstseinserweiterung durch die Überwindung der Trennung von Körper, Geist und Seele. Der Mensch muss sich selbst als Einheit fühlen und diese drei Elemente seiner Existenz miteinander vereinen. Sex ist dabei ein wichtiges Hilfsmittel, denn es hilft, sich selbst zu erkennen. In dem intensiven Lustgefühl, das wir beim Sex spüren, fühlen wir auf intensive Weise die körperliche, seelische und geistige Ebene als Einheit.

So hat Sex in der Tantra-Lehre etwas sehr Selbstbezogenes, aber natürlich geht es auch um die Vereinigung mit dem:der Partner:in.

Die Voraussetzungen für Tantra Sex

Sex nach Tantra-Philosophie ist immer mit Entschleunigung verbunden. Es geht darum, sich Zeit für sich selbst und den:die Partner:in zu nehmen, ihm:ihr die größte Aufmerksamkeit zu schenken und miteinander auf dieselbe spirituelle Ebene zu gelangen. Deshalb ist Tantra Sex nichts für Zwischendurch und auch nichts für extrem stressige Lebensphasen. Ein ganz freier Tag, den ihr vollkommen für euch habt, an dem keine Termine stattfinden und kein Zeitdruck herrscht, ist perfekt für ein solches Erlebnis. Dann seid ihr von Anfang an entspannt und tut euch leichter, eine sinnliche Atmosphäre aufzubauen und könnt euch zugleich richtig viel Zeit für einander nehmen, denn Tantra Sex soll lange dauern. Vielleicht möchtet ihr ja vorher auch noch gemeinsam kochen, ein Bad nehmen und/oder einen Spaziergang machen? Verwöhnt euch schon während dieser gemeinsamen, entspannten Paarzeit mit möglichst viel Körper- und Blickkontakt.

Wenn dann der erotische Teil eures Tantra-Erlebnisses beginnt, sollte in eurer Umgebung eine angenehme und wohlige Atmosphäre herrschen. Sämtliche Alltagsgegenstände, die für eine Störung sorgen könnten, wie Handys, Telefone oder Laptops, sollten ausgeschaltet und am besten nicht im Raum sein. Das Zimmer sollte aufgeräumt und das Bett sauber sein. Wenn es euch gefällt, stellt Duftkerzen auf und lasst leise Musik laufen.

Die Tantra Massage

Ein wichtiger Bestandteil der Tantra Sexualität ist eine sinnliche und erotische Massage, die als Vorspiel dient und beide Partner in einen tief entspannten Zustand versetzen soll. Die Grundlage dieser Massage ist das Verständnis von den sogenannten Chakren, den sieben Energiezentren des Körpers.

Die Tantra Massage sorgt dafür, dass die Energieströme ihre Zentren verlassen, ineinanderfließen und eine so intensive sexuelle Energie freisetzen – und sexuelle Lust ist im Tantra die stärkste aller menschlichen Energien – dass der Körper in einen ekstatischen Zustand gelangt. Wenn der erreicht ist, kann der Geschlechtsverkehr beginnen.

Die Tantra-Massage umfasst den ganzen Körper und beide Partner sollen dabei vollkommen unbekleidet sein.

Der Massage der Geschlechtsorgane wird im Tantra eine besondere Bedeutung beigemessen. Die Yoni Massage umfasst den weiblichen Intimbereich, die Lingam Massage den Männlichen.

Es geht dabei nicht darum, den:die Partner:in zum Orgasmus zu bringen, sondern um eine intensive Körperwahrnehmung. Man hilft ihm:ihr bei der eigenen Bewusstseinserweiterung, was die Tantra Massage auch zu einem sehr deutlichen Liebesbeweis macht. Doch natürlich sind sexuelle Höhepunkte dabei nicht verboten, und erlaubt sind alle Bewegungen und Berührungen, die beiden gefallen – ob drücken, streicheln oder kreisen.

Es ist besonders empfehlenswert, sich nicht gleichzeitig, sondern gegenseitig zu massieren, damit beide die Möglichkeit bekommen, sich mit voller Aufmerksamkeit ihrem:ihrer Partner:in zu widmen und, aus der anderen Perspektive, sich vollkommen fallen zu lassen.

Der tantrische Geschlechtsakt

Auf die Massage, wenn die Lust sich auf einem Höhepunkt befindet und beide bereit sind für die Vereinigung, folgt der Geschlechtsakt, der im Tantra als Maithuna bezeichnet wird. Dieser Akt soll langsam vonstattengehen und möglichst lange dauern, damit die Partner das Gefühl, miteinander verschmolzen zu sein, ausgiebig erleben können.

Gerade Männern fällt es nicht immer leicht, ihre Lust zu kontrollieren und den Samenerguss bewusst hinauszuzögern, aber es gibt viele kleine Tricks, die nicht nur meistens dabei helfen, sondern auch sehr schön und erotisch sind. Dazu gehören kurze Pausen, in denen man ineinander innehalten und den Moment genießen kann, ebenso wie die Änderung des Stoßrhythmus und der Stellung.

Zum Tantra Sex passen alle Stellungen, die viel Körpernähe und vor allem Blickkontakt ermöglichen. Der Akt selbst, die Selbstwahrnehmung und die Aufmerksamkeit gegenüber dem:der Partner:in stehen beim Tantra-Sex im Vordergrund, nicht der Orgasmus. Da sich jedoch die sexuelle Lust langsam, aber intensiv steigert, kommt es meistens zu überwältigenden Orgasmen bei Mann und Frau.

Die Liebeskunst des Tantra kann man lernen

Es gibt Tantra-Institute, wo Lehrer Paare in ausführlichen, mehrteiligen Seminaren in die Liebeskunst des Tantra einführen. Die Inhalte reichen vom Achtsamkeitstraining, in welchem intuitive Bewegungen und das bewusste Erleben dieser erlernt werden, bis hin zu professionellen Tantra-Massagen. Viele der Übungen und Trainingseinheiten finden ohne den:die Partner:in statt, da es häufig um Selbstwahrnehmung und die Fähigkeit geht, sich voll und ganz auf den eigenen Körper und die eigene Sexualität zu konzentrieren. Das bildet die Basis dafür, sich vollkommen auf die Berührungen des Partners einzulassen und diese maximal intensiv zu spüren.

newsletter

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.