Wie lange kann ein Mann enthaltsam sein?

Wie lange kann ein Mann enthaltsam sein?

Ein Samenerguss ist nicht überlebenswichtig. Ein Mann kann also 100 Jahre alt werden, ohne jemals ejakuliert zu haben. Nachteile haben die meisten enthaltsam lebenden Männer dennoch, denn Sex und Masturbation tun Körper und Seele gut.

Fehlender Sex führt oft zu Mangel an Selbstbewusstsein und negativen Gefühlen

Viele Männer, die enthaltsam leben, haben einen Mangel an Selbstbewusstsein und fühlen sich häufig schlecht. Natürlich liegt das nicht alleine daran, dass sie keine Samenergüsse haben, auch wenn diese stets mit der Ausschüttung von Glückshormonen verbunden sind und das psychische Wohlbefinden alleine schon deswegen steigern.

Ein Mann, der enthaltsam lebt, leidet natürlich häufig auch unter Einsamkeit. Er hat keine Partnerin oder keinen Partner, die:der ihn liebt und ihm die Gewissheit gibt, begehrenswert und attraktiv zu sein. Zudem ist er womöglich schüchtern, introvertiert und verschlossen, sodass lockere Sextreffen für ihn kaum machbar sind. Unter diesen Umständen wird auch ein Mann, der dennoch regelmäßig masturbiert, letztendlich nicht vollends glücklich sein. Der zwischenmenschliche Kontakt – körperlich wie auch emotional – wird ihm fehlen.

Im Extremfall entwickelt sich aus der Enthaltsamkeit heraus ein Hass auf die Welt, vor allem aber auf Frauen. Es hat sich in den letzten Jahren online eine ganze Randgruppe formiert, die sogenannten „Incels“. Diese Abkürzung steht für „Involuntary celibate“, übersetzt „unfreiwillig enthaltsam“. Diese heterosexuellen Männer fühlen sich von den Frauen zurückgewiesen und reagieren darauf mit Gewaltfantasien und Aggression.

Enthaltsamkeit bringt schlechtere Spermienqualität und Erektionsprobleme mit sich

Paare, die einen Kinderwunsch haben, sollten regelmäßig miteinander schlafen, denn die Qualität der Spermien sinkt, wenn diese zu lange im Hoden bleiben. Und „lange“ heißt in diesem Kontext ein bis zwei Tage! Ab dann nimmt die Spermienqualität deutlich ab, denn die Samenzellen sollten ständig ausgetauscht und erneuert werden.

Es macht also keinen Sinn, sich die Samen für die fruchtbaren Tage der Frau aufzuheben. Am ehesten zeugungsfähig ist der Mann, wenn er auch vorher regelmäßig ejakuliert hat.

Wenn die Enthaltsamkeitsphase länger angedauert hat als nur ein paar Tage – zum Beispiel, wenn ein Mann länger Single war und deshalb enthaltsam gelebt hat – kann es sein, dass er beim neuen „ersten Mal“ Probleme damit hat, eine Erektion zu bekommen und zu halten. Die Gründe dafür sind, dass Enthaltsamkeit mit einem Absinken des Testosteronspiegels einhergeht, aber auch, dass der Penis aus der Übung ist: Seine Schwellkörper müssen regelmäßig durchblutet werden, damit er „kann“.

Orgasmen sorgen für eine bessere Gesundheit

Wenn Männer mehrmals in der Woche ejakulieren, soll ihr Risiko sinken, Prostatakrebs zu bekommen. Es gibt ein paar Studien dazu, so wie diese Studie aus dem Jahr 2016, doch endgültig bewiesen ist das wissenschaftlich noch nicht. Trotzdem klingt es plausibel: Durch Ejakulationen wird die Prostata durchgespült und die Krebszellen können sich nicht so gut festsetzen. Jedenfalls ist das ein guter Grund mehr für Männer, es sich wenigstens regelmäßig selbst zu machen, denn Prostatakrebs ist immerhin der häufigste Krebs bei Männern.

Außerdem reagieren sexuell aktive Männer in stressigen Situationen häufig entspannter, denn regelmäßige Ejakulationen sollen dafür sorgen, dass allgemein der Blutdruck nicht so hoch steigt.

Sex mit einem anderen Menschen fördert auch das Immunsystem, da hierbei Keime und Bakterien ausgetauscht und die eigenen Abwehrkräfte trainiert werden.

Und dann gibt es ja noch diesen ominösen Samenstau, oder? Nein, der ist ein Mythos, denn wenn Spermien nicht raus dürfen, werden sie vom Körper einfach verstoffwechselt oder der Mann hat halt mal einen „feuchten Traum“, also einen Samenerguss im Schlaf.

Enthaltsamkeit ist ein eher seltenes Phänomen

Die meisten Männer sind sexuell aktiv – wenn sie nicht in einer festen Partnerschaft leben, dann haben sie Affären oder One Night Stands, und wenn nicht, befriedigen sie sich selbst.

Dass ein Mann vollkommen enthaltsam lebt, hat in der Regel schon konkrete Gründe wie

  • Asexualität: Er verspürt gar kein Interesse daran, Sex zu haben und sich selbst zu befriedigen.
  • Religion: Er ist ein katholischer Pfarrer oder Mönch und hält sich aus Überzeugung streng an das von ihm verlangte Zölibat.
  • Krankheit: Er ist impotent und lebt deshalb zwangsweise enthaltsam.
  • Stress: Manchmal ist er Alltag so stressig, dass für Sexualität keine Zeit bleibt und auch die Lust darauf verdrängt wird – ob mit dem:der Partner:in, mit Fremden oder mit sich selbst. Diese sexuellen Flauten halten aber in der Regel nicht ewig, sondern sind vorübergehend.

Durchschnittlich soll ein Mann jeden 2. Tag einen Samenerguss haben – durch Masturbation öfter als durch Geschlechtsverkehr. Wenn du selbst männlich bist, kannst du nun einschätzen, ob sich diese Annahmen im realistischen Rahmen befinden und sich mit deinen eigenen Erfahrungen decken. Und wenn du eine Frau bist, kannst du ja mal die dir nahestehenden Männer fragen, ob das hinkommen könnte – ob die wohl so offen sind, dir das zu beantworten?

Über die männlichen Geschlechtsorgane und Orgasmen gibt es mehr spannende Facts zu erfahren als du dir vielleicht denkst – egal, ob du selbst ein Mann oder ob du eine Frau bist. In ihrem „Penis-Buch“ erzählt die Sexualtherapeutin Goedele Liekens viel Wissenswertes über das beste Stück des Mannes. Und im „Men’s Health Penis-Buch“ gibt’s das Ganze aus der männlichen Perspektive, geschrieben von dem Urologen Frank Sommer gemeinsam mit dem Men’s Health-Redakteur Oliver Bertram. Viele Fragen rund um den Penis beantwortet auch Jesko Wilke in seinem Buch „Guten Morgen, Latte!

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