Wildsau im Wald! Über Sex im Freien

Sophie Andresky

Sex am Strand ist angeblich der Himmel auf Erden – fand neulich ein großes Männermagazin. Zumindest im Kopf ist die tosende Leidenschaft mit ebenso tosender Brandung im Hintergrund die Lieblingsfantasie der Deutschen. Ich halte diese Szenerie für völlig überschätzt. Nicht dass ich was gegen Sex im Freien hätte. Die Sonne brennt auf der Haut, ein leichter Luftzug weht, Vögel tschiepen, die Bäume rauschen – wer käme da nicht in Stimmung? Ich bin draußen total gern nackt, und ich liebe es auch, unbekleidet zu schwimmen, das Gefühl von Freiheit und Sinnlichkeit ist großartig. Auch mit FKK-Ferien kann man mich locken, und dass viele der Unbekleideten dort rein ästhetisch in einer Bade-Burka schmeichelhafter aussähen, stört mich nicht im Mindesten. Auch hässliche Menschen haben das Recht auf Entspannung. Und Sex. Nebenbei: Ich vermute seit Langem, dass nicht ganz so superschöne Leute viel mehr vögeln als die Megamodels, einfach, weil sie netter zu sich und ihren Mitmenschen und den beiderseitigen Makeln sind. Und auch, weil sie mehr Zeit haben, denn in den Stunden, in denen die Sixpack-Fraktion hantelt, können sich die Waschbärbäuche jauchzend in die Speckröllchen packen und Dinge tun, die Spaß machen. Sehr witzig und erhellend ist in diesem Zusammenhang übrigens das Buch Naked at Lunch von Mark Haskell Smith, noch lustiger ist das Hörbuch dazu, denn das liest Jürgen von der Lippe, der Mann, der sich im Hawaiihemd nach draußen traut, was fast so enthemmt ist wie nackt. Ich bin also durchaus ein Fan von Freiluftsex. Aber am Strand? Nein, danke. Schleift einen die Brandung über den Sand oder über Steine, wird das Ganze so richtig schmerzhaft. Und Sandflöhe sind keine Wandersage, sondern bittere Realität, und ja, sie können wirklich in die Harnröhre kriechen. Sicher sind sie nicht so bedrohlich wie der Sandwurm in Dune, auch wenn ich sie mir in meiner Fantasie immer so vorstelle, aber auch winzig klein sind die Viecher für meine erotischen Wallungen völlig inakzeptabel. Strandspanner, die mit ihren Handys filmen und meinen nackten Hintern hinterher möglicherweise auf YouTube mit Songs wie „Mr. Boombastic“ unterlegen, tragen ebenfalls nicht zu meiner Erotisierung bei. Ganz übel sind Polizisten, denn öffentlicher Sex ist eigentlich überall verboten, und in muslimischen Ländern würde ich es gar nicht drauf ankommen lassen, dass die Gesetzeshüter ein Herz für heiß Entflammte haben könnten. Na ja, und andere Freiluft-Gelegenheiten? Auch nicht viel besser!

Heuhaufen: fiese Allergie, pickende Hühner, onanierender Knecht.

Im Cabrio: Hände eingeklemmt im Sitzgriff, nie wieder.

Auf dem Cabrio: Verbrennungen am Oberschenkel, gefolgt von süffisanten Kommentaren meiner Hautärztin. Nein, danke.

Im Schwimmbad: Ekel-Attacke, als mir klar wurde, wie viele Paare es möglicherweise schon vor uns im selben Wasser getrieben haben.

Im Wald: Sau-Alarm. Das ist keine Umschreibung für besonders schweinischen Sex, ich habe wirklich eine Wildsau gesehen! Die sind viel unsympathischer und angsteinflößender als die netten Schweinchen in den Kinofilmen.

Eine Alternative gibt es allerdings, und die ist seit Jahren auf meiner persönlichen Top 3 der Freiluft-Vögel-Orte: die uneinsehbare Dachterrasse eines schicken Wellnesshotels. Kalter Champagner aus der Minibar und kein Dune-Wurm weit und breit. Nur die Vögel sehen uns zu. Die dürfen. Und zwitschern, bitte!

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